Resazone einbauen und begrünen

FRANKFURT, 15.08.2011 - Auf der neuen Landebahn des Fraport Frankfurt wird die erste Maschine auch dank landschaftsgärtnerischer Kompetenz sicher aufsetzen können: Die Firma Hermann Kutter baute die „Runway End Safety Area“, die von der Firma Bender begrünt wurde.

Von Erwin Bauer, Hollern-Twielenfleth

Großbaustelle auf der Landebahn des Frankfurt Airport
Großbaustelle Landebahn: Einbau des Kelsterbacher Sandbodens für die Resazone mit der GPS-gesteuerten Raupe. | Fotos: Kutter
Schmalspurtraktor mit Sandstreuer

Schmalspurtraktor mit Sandstreuer:
Diese Maschinen setzte der
GaLaBau-Betrieb für die direkten
Randbereiche der Landebahn ein.

Auf der neuen Landebahn des Fraport Frankfurt wird die erste Maschine demnächst auch dank landschaftsgärtnerischer Kompetenz sicher aufsetzen können. Die Firma Hermann Kutter GmbH & Co. KG Landschafts-, Sport- und Golfplatzbau aus Memmingen schloss als Subunternehmer der Firma Bilfinger Berger die Feinplanie der Resazone in Rekordzeit ab. In dieser „Runaway and Safety Area“ sollte der etwa 60 m breite, an die Landebahn angrenzende Bereich so planiert und begrünt werden, dass im Falle eines unplanmäßigen Landevorgangs ein herausrutschendes Flugzeug einsinken und damit abgebremst werden kann. Die Erdbauarbeiten auf der rund 100 Hektar großen Baustelle der neuen Landebahn Nord durch den GaLaBau-Betrieb begannen im Januar und endeten fristgemäß Mitte Mai. Die besondere Herausforderung bestand darin, die riesigen Mengen an Sand- und Oberboden schnell und exakt zu verteilen. „Unser Ziel lautete täglich rund 10.000 Kubikmeter Sand einzubauen. Die Materialzufuhr und eingesetzte Technik funktionierte gut, so dass wir diese anvisierte Menge sogar deutlich überschreiten konnten,“ berichtete Geschäftsführer Stefan Kutter nicht ohne Stolz auf der Sonderschau Baum der demopark 2011 in Eise­nach-Kindel. Die Arbeiten umfassten den Einbau des so genannten Kelsterbacher Sandbodens in einer Stärke von 7,5 cm auf die stabilisierende Schotterschicht. Die Sandschicht wurde mit einer Planierraupe Liebherr 724, ausgerüstet mit GPS-Steuerung, eingebaut. Über 40 Vierachser waren im Einsatz, die das Material vor den Dozer kippten. Dank der satellitengestützten Maschinensteuerung verteilte die Raupe den Sand mit der Schar in der eingestellten Schichthöhe von 7,5 cm exakt und zügig.

Varioschlepper mit Tellerstreuern überzeugten

Auf dieser feinplanierten Schicht wurde danach etwa 2,5 cm sandiger Oberboden mit Sandstreuern aufgetragen. Die angrenzenden Ränder der Betonpiste und die Lichtfeueranlagen erledigte der  firmeneigene „kleine“ Rink-Großflächenstreuer, der von einem Fendt-Schmalspurtraktor 280 P (80 PS) gezogen wurde. Für die restlichen Flächen wurde das landtechnische Lohnunternehmen Bäuscher aus dem benachbarten Flörsheim beauftragt, das die riesigen Oberbodenmengen mit Fendt Varioschleppern der 900er-Serie und zweiachsigen Großflächenstreuern aufbrachte. Die Kombination aus Großschleppern und Tellerstreuern erwies sich als besonders vorteilhaft. Dank ihrer Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h konnte das Material mit den Varioschleppern von der rund 4 km entfernten Miete direkt abgeholt werden und musste nicht per Lkw herangefahren werden. „Die Fendt Vario fegten in beängstigendem Tempo über die Landepiste. Der Hall ihrer Trelleborg-Reifen war unüberhörbar. Die Logistik lief perfekt ab wie am Schürchen,“ erinnerte sich Stefan Kutter. Die großen Tellerstreuer mit Gummiförderbändern brachten dabei den sandigen Oberboden auf eine Breite von etwa 15 m gleichmäßig aus. Das Vario-Getriebe bietet eine stufenlose Geschwindigkeitseinstellung. Der Fahrer gibt nur noch die gewünschte Geschwindigkeit ein und das automatische Traktormanagement übernimmt die Steuerung von Motor und Getriebe. Der Traktor passt die Motordrehzahl an die jeweilige Situation automatisch an. Selbst bei Frost und Schneefall konnte gearbeitet werden, da auch der eingebaute Kelsterbacher Sandboden schnell entwässerte und die Fläche abtrocknete. Insgesamt konnten auf diese Weise rund 100.000 Kubikmeter Sand- und Oberboden in Rekordzeit für die Resazone der neuen Landebahn eingebaut werden. „Wir haben unseren Zeitplan nicht nur eingehalten, sondern sogar unterschritten. Selbst unser Generalunternehmer kam mit seinen vorbereitenden Arbeiten teilweise nicht hinterher. Wir Landschaftsgärtner waren schneller als der große Bauunternehmer,“ freute sich Stefan Kutter.
Stefan Kutter (rechts) und Markus Pfalzer
Stefan Kutter (rechts) und Markus Pfalzer, Hauptgeschäftsführer der Hermann Kutter GmbH & Co. KG auf der demopark Sonderschau Baum.

Biotop entlang der neuen Landebahn

Mit landschaftsgärtnerischer Expertise ging es anschließend weiter. Die Firma Bender aus Rabenau-Odenhausen säte in Anspritzbegrünung auf der rund 100 Hektar großen Fläche neben der neuen Landebahn Magerrasenarten durchsetzt mit Zwergstrauchhecken an. Insbesondere die niedrig wachsenden Sträucher sind als Lebensraum für schwarmbildende Großvögel ungeeignet und sollen dadurch die Flugsicherheit erhöhen. Für kleinere Vögel, die keine Gefahr für die Flugsicherheit darstellen,  ist dieser Lebensraumtyp durchaus geeignet. Eine der größten Feldlerchenpopulationen Deutschlands ist auf dem Frankfurter Flughafen zu finden. Insbesondere Ginsterarten und Besenheide sollen zudem mit ihren Blütenteppichen farbliche Akzente setzen. Das verwendete Saatgut wird im so genannten Heudrusch-Verfahren im Umkreis von nur wenigen Kilometern geerntet. Zusammen mit dem Spezialdienstleister Joe Engelhardt aus Ganghofen ist diese Art, ökologisch wertvolle Lebensräume zu etablieren, für die Firma inzwischen Routine. Ganz neu kam in Frankfurt dafür ein Mykorrhizastreuer zum Einsatz, der gleichzeitig die mit der Besenheide in Symbiose lebenden, wertvollen Pilze mit ausbringt. Damit könne die Entwicklung von Zwergstrauchbeständen erstmals gesteuert und deren Anwuchserfolg gesichert werden. eb