Robotermäher für den Sportplatz

Historie, Erfahrungen, Vorteile und Kosten mit dem BigMow

Von Frank Hemmerich, Möckmühl

Seit fast 20 Jahren gibt es Mähroboter für den Privatgarten, im ersten Jahrzehnt belächelt, im zweiten Jahrzehnt immer populärer. Jedoch werden auch heute noch weit unter ein Prozent der deutschen Rasenflächen in Privatgärten mit Robotern gemäht. Eine ähnliche Entwicklung erkennt man auch beim Einsatz von Robotermähern auf Sportplätzen. Es begann 2006 mit einem Pilotprojekt. Man sammelte erste Erfahrungen, doch es ging weiter und nach vier Jahren Erfahrungen in Deutschland, aber auch im Ausland, kann man folgende Kernaussage treffen und belegen: Mähroboter bewirken bereits nach kurzer Zeit eine signifikante Verbesserung der Rasenqualität hinsichtlich des Wurzelwachstums und der damit verbundenen erhöhten Scherfestigkeit. Weiter entwickeln sich die für die Scherfestigkeit verantwortlichen Grassorten wie die Poa Pratensis (Wiesenrispe) weit besser als beim konventionellen Mähen.
BigMow mäht autark einen kompletten Fußballplatz
Dieser BigMow mit 105 cm Schnittbreite mäht autark den kompletten Fußballplatz Theesen. Inzwischen haben die Umweltbetriebe Bielefeld sechs solche Geräte im Einsatz. | Alle Fotos: E. Bauer

Vorab gesagt

Robotermäher sind Rasenkurzhalter, keine Rasenmäher! Die Erfolgsgarantie des Rasenroboters beruht auf der Basis des kontinuierlichen Arbeitens. Der Rasen wird ständig geschnitten und kurz gehalten. Aufgrund der niedrigen Leistungen an den Schneidwerkzeugen kann ein Roboter auch keinen Rasen im klassischen Sinn mähen. Ein kontinuierlicher Einsatz ist ein Muss.

Der Status Quo

Derzeit gibt es einen Anbieter von Rasenrobotern speziell für Sportplätze. Der BigMow wird von der Firma Belrobotics in Belgien produziert und seit 2005 vermarktet, seit 2006 auch in Deutschland. Die erste Installation erfolgte von den Umweltbetrieben in Bielefeld auf dem Sportplatz in Theesen. Gründe für diesen Schritt waren die vermutete Verbesserung der Rasenqualität, die Reduktion der Arbeitsspitzen zum Wochenende sowie die Kosteneinsparung. Europaweit werden zurzeit ca. 120 Sportplätze mit BigMows kurzgehalten.

Die Technik

Der Arbeitsbereich wird durch ein Induktionskabel begrenzt, welches um den Sportplatz ca. 5 cm tief im Boden eingebaut wird. Eine Ladestation dient zum selbstständigen Laden des Akkus. Der Leistungsvorrat der Batterien beträgt 1,5 Stunden, anschließend werden sie wieder 1,5 Stunden geladen. Der Mähroboter verfügt über 45 cm große Antriebsräder, die jeweils elektrisch angetrieben werden. Fünf rotierende Mähteller mit je drei Rasierklingen ähnlichen Werkzeugen schneiden die Grashalme fein. Der Bereich vor dem BigMow wird mit Ultraschall überwacht. Pneumatische Stoßpuffer stoppen das Gerät bei minimalem Widerstand

Die Installation

Ein Kabel wird ca. 30 cm innerhalb der zu bearbeitenden Fläche ca. 5 cm tief im Boden verlegt. Die Ladestation ist je nach Anforderung fest oder entfernbar installiert. Letzteres kann bei nach den Richtlinien des Deutschen Fußballbundes zugelassenen Plätzen erforderlich sein. Das Kabel wird mit einem Signal beschickt, welches vom BigMow empfangen und ausgewertet wird. So weiß der Robotermäher, wie weit weg er sich vom Rand befindet. Eine Standortbestimmung wie bei GPS ist nicht möglich, da dies im Standard viel zu ungenau ist und die zentimetergenauen Positionierungssysteme um ein Vielfaches teuerer sind als der komplette Mähroboter.

Der Betrieb

Das timergestützte Arbeiten innerhalb des definierten Feldes mit selbstständigem Fahren zur Ladestation und Andocken an dieselbe ist das kleine 1x1 der Rasenroboter. Ist eine Abstimmung mit der Bewässerungsanlage erforderlich, erfolgt dies ebenfalls über den Timer. Die Zeiten werden direkt am Gerät eingegeben. Das ebenfalls mögliche manuelle Heimschicken zur Ladestation erfolgt über eine Funktionstaste mit einem Knopfdruck. Ein geschulter Platzwart betreut das Gerät, denn auch ein Roboter braucht etwas Pflege wie Reinigen, Messer wechseln oder auch nur das Reaktivieren nach einem Sicherheitsstopp durch herumliegende Gegenstände.

Die Flächenleistung

Ein BigMow bearbeitet einen kompletten Sportplatz. Das Zeitfenster sollte 10,5 Stunden am Tag nicht unterschreiten. Die Arbeitsgeschwindigkeit beträgt 3,6 km/h, die Arbeitsbreite liegt bei 105 cm. Bei 20-25% Wendezeit haben wir eine theoretische Flächenleistung von 3.000 m² je Stunde. Allgemein gilt bei Mährobotern folgende Regel: Um 95% des Platzes zu bearbeiten wird jede Fläche dreimal überfahren. Die effektive bearbeitete Fläche je Zyklus beträgt somit 1.500 m², dies entspricht 5-6 Zyklen für einen Sportplatz.

Die Kosten

Laut Deutschem Fußballbund (DFB) und weiteren Umfragen kostet die Pflege eines Sportplatzes zwischen 20.000 und 30.000 € im Jahr, wobei 50% für das Mähen aufgewendet wird. Dies entspricht 10.000 bis 15.000 € oder 3,5 bis 7 Cent je m² Mähen. Für den BigMow wird u.a. ein „Rundumsorglospaket" in Form von Leasing angeboten. Für 340 € plus MwSt. bekommt der Anwender ein fertiges System installiert. Das Personal vor Ort wird geschult, der Mähroboter wird versichert. Der Nutzer wird im Falle eines Diebstahls benachrichtigt, um das Gerät orten zu können. Rechnet man noch die Betreuungskosten für das Gerät hinzu, kommen wir auf ca. 5.500 Euro Gesamtkosten pro Jahr.

Die Erfahrungen

Nicht nur auf „normalen" Plätzen macht der Einsatz eines Rasenroboters wie des BigMows Sinn, sondern auch auf Problemplätzen. So wurde beispielsweise in Bielefeld ein Platz ausgewählt, auf dem sich die Maulwürfe besonders wohl fühlten. Die Grünflächenpfleger der Umweltbetriebe hatten alles versucht, den an landwirtschaftlichen Flächen anschließenden Platz in den Griff zu bekommen. Erst als der Mähroboter installiert wurde waren die Maulwürfe weg. Es ist jedoch nicht das Induktionsfeld, sondern das kontinuierliche Fahren des Rasenkurzhalters, was den Ausschlag hierfür gab. Diese Tatsache bestätigte sich sogar im Winter 2008/2009: Als der BigMow wegen einer geschlossenen Schneedecke eine Woche Zwangspause einlegen musste und danach der Schnee war weg, war deutlich zu erkennen, dass die Maulwürfe ihre Spuren hinterlassen hatten.
Ein Platz mit mangelhafter Scherfestigkeit und der Tendenz zur weiteren Verschlechterung wurde trotz des minimalen Zeitfensters aufgrund der intensiven Nutzung und der täglichen Anwesenheit von Schulklassen mit einem Mähroboter ausgestattet. Trotz des erhöhten Risikos installierten die Umweltbetriebe Bielefeld den Mähroboter und - siehe da - es trat eine Verbesserung der Grasnarbe binnen kurzer Zeit ein. Das führte wiederum dazu, dass im Vergleich zu vorher auch weniger Grasnarben in den stärksten bespielten Zonen wie beispielsweise den Torräumen ausgetauscht werden mussten.

Der tägliche Einsatz

Kritiker jedoch beobachten die Stillstandzeiten des BigMow genau. Natürlich können auch bei dieser Technik Sicherheitsstopps wegen herumliegender Gegenstände, ein Stromausfall, weil die Sicherung kurz ausgeschaltet wurde, oder auch einmal ein technisches Problem vorkommen. Eine vorbeugende Maßnahme hat sich jedoch bewährt. In diesem Fall setzt der Rasenroboter einen SMS-Alarm an den Betreuer ab, und dieser kann zeitnah nach der Ursache schauen. In der zweiten Ausbaustufe wurde in dem Mähroboter noch in ein Ortungsportal integriert. Somit kann der Betreuer über das Internet sehen, was passiert und ob sich der automatische Mäher bewegt. Verlässt er den Platz, wird über E-Mail bzw. SMS Alarm geschlagen und das Gerät kann sofort geortet werden. Diese Kontrollmöglichkeit und die Verfügbarkeit einer Versicherung für Diebstahl und Vandalismus nimmt auch die Sorge der ängstlichen Anwender. Die Gesamtbilanz spricht für sich: In den vergangenen Jahren wurde europaweit ein einziger BigMow aus einem Privatgarten gestohlen und über ein Internet-Auktionshaus weiter veräußert. Leider für den Käufer nutzlos, da er den Aktivierungscode nicht kennt und den Code vom Werk in diesem Fall auch nicht bekommt. Alle Hauptplatinen sind mit Seriennummern versehen, die zur Freigabe benötigt werden. Kurz gesagt – dieser Käufer hat Pech gehabt!

Der Nutzen in vier Sätzen

Erstens: Die verbesserte Rasenqualität in Verbindung mit einem hohen Einsparpotenzial überzeugt Betreiber und Spieler. Zweitens: Für sicherheitsorientierte Leute wird ein System angeboten, das greift. Drittens: In Verbindung mit einer Solaranlage auf dem Vereinsdach, kann CO2-neutral gemäht werden. Viertens: Positive Erfahrungswerte von 120 Sportplätzen europaweit liegen vor. Info-Tel.: 06291/4159590, www.kommtek.de

Zum Autor

Dipl.-Ing.sc.agr. Frank Hemmerich ist geschäftsführender Inhaber der Firma KommTek Intelligente Lösungen mit Sitz in Möckmühl und Lehrbeauftragter in Sachen Kommunaltechnik an der Universität Hohenheim. Seine Firma vertreibt die Belrobotics Mähroboter in Deutschland.