Zentralsteuerung bevorzugt:

Bewässerungs-Anlagen im Praxistest

VEITSHÖCHHEIM, 20.06.12 – In einem Vergleichstest wurden automatische Beregnungsanlagen verschiedener Hersteller auf ihre Funktionalität untersucht. Wichtigstes Ergebnis: Zentrale Steuerungssysteme sind besonders bei weit auseinanderliegenden Flächen das Mittel der Wahl.

Sprühregner bewässern eine kleine Rasenfläche

Kleine Rasenflächen können wirtschaftlich nur mit Sprühregnern bewässert werden, obgleich sie anfälliger für Windabdrift sind. | Fotos: Kendzia
Zentrale Steuerungssysteme machen weniger Arbeit und sparen Zeit, bedingen aber eine klare Entscheidung für die automatische Bewässerung, Fachpersonal und ein hohes Investitionsvolumen. An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG) wurden Arbeitsersparnis, Bedienungsfreundlichkeit, Robustheit und Bewässerungserfolg von automatischen Beregnungsanlagen der Hersteller Toro, Hunter, Rain Bird und Gardena untersucht.

Der sparsame Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser ist bei der Bewässerung öffentlicher Grünflächen verpflichtend (WHG § 5, Abs. 1). Ziel muss es sein, den Pflanzungen eine überlebensfähige Bewässerung („Erhaltungsbewässerung“) zu garantieren. Das Potenzial zur Einsparung von Wasser durch automatische Bewässerungsanlagen hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Das Steuergerät muss eine Programmierung ermöglichen, die z.B. Wassergaben aufteilt, Intervalle und Bewässerungszeiten frei wählbar macht und leicht einzustellen ist. Des Weiteren muss die Sensortechnik eine Beregnung mindestens bei natürlichen Niederschlägen unterbrechen oder besser noch die Bodenfeuchtigkeit oder die Evapotranspiration berechnen.
Leider existieren in der Praxis noch zu wenige Anschlussmöglichkeiten an die Steuerungscomputer. Zudem besteht Forschungsbedarf hinsichtlich des Wasserverbrauches der Pflanzen und der Zuverlässigkeit der am Markt gängigen Technik. Zum Dritten wird Wasser sparsam verwendet, wenn es mit dem richtigen Verfahren ausgebracht wird. Eine möglichst bodennahe Bewässerung mit Hilfe von Tropfschläuchen spart Wasser. Aber auch Getrieberegner und Multistrahlregner besitzen eine geringere Windabdrift gegenüber Sprühdüsen und führen zu einer exakten Wasserverteilung, wenn sie in einem Regnerverband richtig angeordnet werden.
Messung der Gleichmäßigkeit der Wasserverteilung nach EN 12484-5
Messung der Gleichmäßigkeit der Wasserverteilung nach EN 12484-5 als Kriterium bei der Abnahme.

Vom Regenmesser bis zur Wetterstation

Die auf den Grünflächen der LWG eingebauten Bewässerungsanlagen stammen von unterschiedlichen Herstellern und wenden auf den Vegetationstyp abgestimmte Bewässerungsverfahren an. Die Steuerung erfolgt entweder über 220 V oder Batteriebetrieb. Die eingesetzte Sensortechnik reicht vom einfachen Regenmesser über Bodenfeuchtefühler bis zur Wetterstation. Bei der Planung der zum Teil über 10 Jahre alten Anlagen wurde auf Herstellerangaben und praktische Erfahrungen vertraut. Die einzelnen Versuchsparzellen sind, bis auf vier Parzellen des Bewässerungsversuches aus dem Jahre 2005, bezüglich Lage und Bepflanzung nicht miteinander vergleichbar.
Als Grundeinstellung für die Bewässerungsanlagen wurde vom Nutzer für Stauden und Gehölzflächen eine wöchentliche Wassergabe von 25 Litern/m² bzw. von 30 Litern/m² für Rasenflächen vorgenommen. Letztere wurde meist auf zwei Bewässerungsgänge aufgeteilt, da die Höhe der einzelnen Bewässerungsgabe auf die Bodenart abgestimmt werden sollte. Der Bewässerungsversuch in der Abteilung Landespflege zeigt, dass die Regensensoren, welche die Anlagen bei natürlichem Niederschlag abschalten, zuverlässig einen höheren Wasserverbrauch verhindern. Dieser hätte im Bewässerungszeitraum von 25 Wochen bei 1.125 mm gelegen, lag aber durch die Regenmesser der Firmen Toro, Hunter und Rainbird zwischen 345 mm und 496 mm zusätzlicher Bewässerung. Die Abweichungen sind auf die Feinjustierung an den einzelnen Sensoren zur auslösenden Niederschlagshöhe und Verzögerung der Freigabe zurückzuführen.

Gardena spart am meisten Wasser

Die größte Wasserersparnis war mit dem Bodenfeuchtefühler der Firma Gardena zu erzielen. Im Jahr 2009 wurde mit einer Grundeinstellung von 15 Litern/m² pro Woche gefahren. Daraufhin waren der visuelle Eindruck und die Vitalität der manuell bewässerten Parzelle, wie auch der automatisch bewässerten Parzellen, allenfalls ausreichend. Als Optimum ist eine zusätzliche Bewässerung der Mischpflanzung von 200 bis 300 mm im Jahr in Unterfranken anzusehen. Darüber hinausgehende Spitzengaben sind Wasserverschwendung und führen auch optisch nicht zu einem besseren Aussehen.

Wasseraustritt an einem T-Stück
Große Sorgfalt ist beim Einbau und der Pflege nötig. Der Wasseraustritt am T-Stück der Tropfschläuche wurde durch den digitalen Wasserzähler entdeckt.

Kaum Arbeitsaufwand bei Hunter

Völlig autark ermittelt die Anlage der Firma Hunter am Technikzentrum ihr Bewässerungsprogramm aus den Wetterdaten einer so genannten ET-Station. Diese berechnet die tatsächliche Evapotranspiration aus Temperatur, Niederschlag, Sonneneinstrahlung, Pflanzentyp, Wuchsstadium, Boden und Exposition. Nachdem ein defektes Gerät im Jahr 2008 ausgetauscht worden war, lieferte das System eher großzügige Wassergaben, insbesondere für die Rasenflächen.
Ein großer Vorteil dieser Anlage ist es, dass keine jahreszeitliche Anpassung vorgenommen werden muss und bis auf Inbetriebnahme und Einwinterung kein Arbeitsaufwand für die Bewässerungsanlage entsteht. Der Anschluss von Wetterstationen an allen Grünflächen ist, im Vergleich zur erzielenden Wasserersparnis, bei den derzeitigen Wasserpreisen zu teuer. Eine Neuprogrammierung nach den Wetterbeobachtungen durch das Pflegepersonal kann wirtschaftlich nur erfolgen, wenn nicht jeder Steuerungscomputer einzeln und vor Ort eingestellt werden muss.

 
Den vollständigen Fachbeitrag „Zentralsteuerungen bevorzugt“ von Nikolai Kendzia lesen Sie in der bi-GaLaBau 5+6-2012.
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