WHG 2009: Wohin mit dem Regenwasser im Betriebshof?

ÜBERLINGEN, 14.07.2017 – Regenwasserbewirtschaftung ist für die von Kommunen unterhaltenen Betriebshöfe mit Fuhrpark und Werkstätten selbstverständlich – insbesondere bei den neu gebauten Betriebsstätten. Doch wie genau läuft der Prozess ab? Im nachfolgenden Beitrag wird exemplarisch der Umwelt- und Servicebetrieb der Stadt Zweibrücken in Rheinland-Pfalz vorgestellt.

Von Klaus W. König

Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken
Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken. Betriebshof mit Regenwassernutzung für WC-Spülung, Fahrzeugwäsche und Bewässerung der Außenanlagen. | Foto: Mall

Nach dem aktuellen Wasserhaushaltsgesetz WHG 2009, bundesweit gültig seit 1. März 2010, hat die ortsnahe Bewirtschaftung von Regenwasser Priorität. Ziel von Gesetzgebung und Normen ist, dass künftig im Zuge der Oberflächenentwässerung der natürliche Wasserhaushalt weitgehend erhalten wird. Die Verantwortlichen in Zweibrücken hatten diesen Anspruch schon zuvor.

Betriebswasser anstelle von Trinkwasser

Das Nutzen von Regenwasser als so genanntes Betriebswasser anstelle von Trinkwasser schont Ressourcen - spart Trinkwasser, Energie und Kosten - im Sinne von Vermeidung. Wo aber Betriebswasser nicht gebraucht wird oder seine Verwendung nicht wirtschaftlich ist, soll der Niederschlag über Gründächer verdunstet, im Untergrund versickert oder ins Oberflächengewässer abgeleitet werden.

Regenspeicher als Mehrbehälteranlage
Regenspeicher als Mehrbehälteranlage mit Filterschacht, Fassungsvermögen 90 m³. | Foto: Mall

Regelwerke, Stand Mai 2017:

  • Für die Grundstückentwässerung ist DIN 1986-100 die Ausgangsnorm. Die z. Zt. aktuelle Ausgabe ist von Dezember 2016.
  • Für Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser ist DWA-A 138, Stand April 2005, die zentrale technische Regel.
  • Für die versickerungsfähigen Verkehrsflächen ist FGSV M VV R2, Ausgabe 2013, maßgeblich.
  • Für Regenwassernutzungsanlagen gilt DIN 1989-1 von April 2002.
  • Für die Kennzeichnung nichterdverlegter Rohrleitungen nach dem Durchflussstoff gibt DIN 2403 Hinweise. Eine deutliche Kennzeichnung ist im Interesse der Sicherheit, der sachgerechten Instandsetzung und der wirksamen Brandbekämpfung unerlässlich - Aktueller Stand ist Juni 2014.

Verdunsten, nutzen und versickern

In Zweibrücken, an der Grenze zu Frankreich und zum Saarland gelegen, hat die Bewirtschaftung und speziell die Nutzung des Regenwassers Tradition. Anfang der 1990er Jahre wurden befristete Förderprogramme aufgelegt, ein Musterhaus erstellt und städtische Gebäude mit umweltgerechter Technik ausgestattet. Das Ziel: energie- und wassersparende Haustechnik der Bevölkerung nahe zu bringen.

Umweltgerechte Heizungstechnik

In diesem Sinne war es selbstverständlich, dass der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) mit Fertigstellung seines Neubaus eine besonders umweltgerechte Haustechnik in Betrieb nahm. Die Heizung läuft CO2-neutral mit Hackschnitzel, das Regenwasser wird zu 100 % auf dem Grundstück bewirtschaftet sowie vorrangig als Betriebswasser genutzt.

Fahrzeugwäsche aus unterirdischem Regenspeicher

Der UBZ verfügt zur Fahrzeugwäsche über unterirdische Regenspeicher aus Beton mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 90 m³. Diese sind aufgeteilt in drei Unterflurbehälter, einem nachgeschalteten Beruhigungs- und einem vorgeschalteten Filterbehälter. Gespeist werden sie von zum Teil begrünten Dachflächen. Überschüssiges Wasser läuft in eine Teichanlage, von da in flache Geländemulden zur Versickerung. Das Verwaltungsgebäude besitzt zusätzlich eine kleine Zisterne mit 5 m³ Fassungsvermögen. Tauchpumpen im unterirdischen Regenspeicher füllen automatisch einen Vorlagebehälter mit 1 m³, aus dem über zwei nachgeschaltete Druckerhöhungsanlagen die Abnahmestellen in den verschiedenen Gebäuden versorgt werden. Verwendet wird dieses Wasser für die Spülung der Toiletten und zur Bewässerung der Außenanlage. Angedacht war auch das Befüllen der Kehrmaschinen. Davon wurde Abstand genommen, da Schwebstoffe im Regenwasser die feinen Wasserventile der Maschinen verunreinigten.

Extensiv begrüntes Dach zur Retention von Regenwasser
Extensiv begrüntes Dach zur Retention und
Verdunstung des Regenwassers. So
gelangen nur etwa 50 % des Niederschlags
in den unterirdischen Regenspeicher.
| Foto: König

Trinkwasser nur bei Trockenheit benötigt

Werkstatt- und Fuhrparkleiter Peter Haller ist sehr zufrieden mit der seit Inbetriebnahme im Jahr 2002 gut funktionierenden Anlagentechnik. Die Dachflächen liefern genug Niederschlagswasser, um alle Regenspeicher aufzufüllen und die Entnahme auszugleichen. „Ganz selten, in langen Trockenwetterperioden, schaltet sich automatisch kurzzeitig die Trinkwassernachspeisung ein“, berichtet Haller zufrieden Ende 2016. „Jahr für Jahr sparen wir 210 m³ Trinkwasser ein.“

Zum Autor:

Dipl.-Ing. Klaus W. König ist Fachjournalist sowie von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Vorträge und Veröffentlichungen zur ökologischen Haustechnik. König ist Mitglied der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung „fbr“ in Darmstadt und Mitarbeiter im DIN-Ausschuss NA 119-05-08 AA Wasserrecycling/Regenwasser- und Grauwassernutzung. Er ist Lehrbeauftragter an der Uni Stuttgart, der ESB Business School in Reutlingen und an der Hochschule Neubrandenburg.