Brückenbau: In neuer Bauweise über die Weiße Elster

Gelsenkirchen, 27.09.2017 - Seit Anfang 2017 überquert in Osendorf in Sachsen-Anhalt eine neuartige Verbundfertigteil-Brücke mit Walzträgern im Beton (VFT-WIB-Bauweise) die Weiße Elster. Dabei kam erstmals eine feuerverzinkte Stahlstruktur zum Einsatz.

Brücke über die Weiße Elster
Ein Novum: Die Elsterbrücke in Osendorf wurde in VFT-WIB-Bauweise mit feuerverzinkter Stahlstruktur errichtet.

Der kritische Zustand vieler Infrastrukturbauwerke und das Ausmaß der Sanierungsbedürftigkeit führen dazu dass Lösungen gesucht werden, die möglichst zeitnah und mit geringen Erstinvestitionen zu realisieren sind. Und es bedarf Lösungen, die sich durch eine hohe Robustheit auszeichnen, was sowohl einen hohen Widerstand gegenüber dem zukünftigen Verkehrsaufkommen beinhaltet, als auch geringe Instandhaltungsaufwendungen über die Lebensdauer einschließt. Die für Osendorf zuständige Stadt Halle hatte unter Berücksichtigung dieser Aspekte im Zuge eines Brückenneubaus einen neuen Brückentypus ausgewählt.

Die Aufgabenstellung in diesem Projekt sah den Ersatz eines Tragwerks aus dem Jahr 1950 vor, mit dem die Weiße Elster überspannt wurde. Im Zuge der Neuplanung durch das Ingenieurbüro SSF konnte der Bauherr von den vielfältigen Vorteilen der sogenannten VFT-WIB-Bauweise überzeugt werden. Um die Dauerhaftigkeit für eine planmäßige Standzeit von 100 Jahren zu sichern, wurde für den Korrosionsschutz eine Feuerverzinkung gewählt, basierend auf den neuesten Erkenntnissen zu den technischen und wirtschaftlichen Vorteilen verzinkter Brücken, die zu finden sind im neuen Praxisleitfaden „Entwurfshilfe zum Einsatz von feuerverzinkten Bauteilen im Stahl- und Verbundbrückenbau“.

VFT-WIB-Bauweise bei der Brücke Osendorf
Visualisierung der Bauweise VFT-WIB aus Fertigteilträgern mit externer Bewehrung | Abb: Voigt + Schweitzer

Die Ausführung erfolgte im Winter 2016/2017 unter Beteiligung der Firmen Ostbau, ArcelorMittal und der Gelsenkirchener Zinq Technologie GmbH. Die 10,5 Meter langen Stahlkomponenten wurden zunächst im Anarbeitungszentrum von ArcelorMittal zugeschnitten und anschließend bei Zinq am Standort Landsberg/Halle mit der durozinq-Stückverzinkung versehen. Auf der Baustelle wurden jeweils zwei Stahlträger verschweißt, in die Schalung eingehoben und die Stahl-Beton-Verbundkonstruktion fertiggestellt. Die Montage offenbarte einen wesentlichen Vorteil der verzinkten Ausführung, nämlich die Robustheit im Handling der Komponenten, bei dem es – im Gegensatz zu einer mit Farbanstrich versehenen Ausführung – zu keiner Beschädigung des Korrosionsschutzes kommt und somit lästige und vor allem aufwendige, kosten- und zeitintensive Ausbesserungsarbeiten vermieden werden. In Summe konnte das Projekt somit zügig abgewickelt und mittlerweile auch dem Verkehr übergeben werden.