Gut eingepackt an der Ostsee: Aufsparrendämmung unter Reet

LEIPZIG, 27.10.2017 – Reetgedeckte Walmdächer prägen die norddeutsche Landschaft. Dass man diese traditionelle Bauweise auch mit modernen Dämmstoffen kombinieren kann, zeigt ein Einfamilienhaus in Steinberg an der Ostseeküste im Kreis Schleswig-Flensburg.

Frisch gedecktes Reetdach
Gut geschützt: Das Reetdach wird von der Traufe zum First gedeckt, die einzelnen Lagen werden waagerecht durchgehend aufgebracht. | Foto: Ursa

Im Schnitt braucht ein Reetdachhaus alle 30 Jahre eine neue Eindeckung. In Steinberg musste nach einer Nutzungsdauer von rund 45 Jahren die Reetdacheindeckung des Einfamilienhauses ausgetauscht werden. Das über 100 Jahre alte Haus der Familie Bischoff verfügt über eine rund 400 Quadratmeter große Dachfläche – in den 1970er Jahren wurde die Dacheindeckung schon einmal ausgetauscht. Diesmal entschied sich der Bauherr für eine langfristig orientierte Maßnahme: Der Dachstuhl wird zusätzlich mit einer Aufsparrendämmung versehen. Die gesamte Dachfläche erhält so von außen eine geschlossene Fläche aus Dämmplatten – zum Schutz des Dachstuhls. Die energetische Aufwertung geht einher mit der schalltechnischen Optimierung – die spielt eine wichtige Rolle, weil das Haus an einer Bundesstraße liegt.

Zwischensparrendämmung zu aufwendig

Eine Zwischensparrendämmung kam hier nicht in Frage, sie wäre mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden gewesen: Zum einen hätten die Sparren aufgedoppelt werden müssen. Zum anderen wären zusätzliche, dicke Sparren nötig gewesen, um passende Gefachgrößen zu erzielen. Denn die traditionelle Dachkonstruktion weist unterschiedliche Sparrenabstände von 180 bis 220 Zentimeter auf.
Um der Aufsparrendämmung genug Auflagefläche zu bieten, wurden an einigen Stellen Mittelsparren eingesetzt. Anschließend wurde auf den Sparren die Dampfbremse verlegt, die Überlappungen und Anschlüsse wurden luftdicht verklebt. Auf dieser Lage erfolgte die Verlegung der Dämmschicht.
Dachdecker Michael Asmussen entschied sich für die Dämmplatte ASP 32 Plus von Ursa (Leipzig). Sie besteht aus Mineralwolle und erreicht eine Wärmeleitfähigkeit von 0,032 W/(m•K). Die sehr gute Dämmwirkung schützt vor sommerlicher Hitze und vor winterlicher Kälte. Schon mit geringen Konstruktionshöhen lässt sich mit der Aufsparrendämmung ein guter Wärmeschutz erzielen. Das ist wichtig, denn der ursprüngliche Charakter des Daches soll so weit wie möglich erhalten bleiben. Die Dämmplatte ASP 32 Plus erzielt mit einer Dicke von 120 Millimetern den vom Gesetzgeber geforderten Dämmwert. Zudem bietet sie einen hohen Schallschutz mit einem Strömungswiderstand von AFr 20.

Herstellung der Dämmebene
Bloß nicht wegwehen: Das geringe Eigengewicht und das handliche Format ermöglichen eine zügige Verlegung der Aufsparrendämmplatte. | Foto: Dachdeckerei Michael Asmussen

Schutz der Dachkonstruktion

Für hohe Stabilität der Dämmplatte sorgen die Dichte und die gebundene Faserstruktur der Mineralwolle. Zugleich ist die Platte jedoch so flexibel, dass die Höhenunterschiede, die aufgrund der alten Sparren des Daches auftreten, kein Problem darstellen. Die aufkaschierte diffusionsoffene Unterdeckbahn schützt durch ihre hohe Materialqualität und die Überlappungen an den Längs- und Querseiten mit Selbstklebestreifen die darunter liegende Dachkonstruktion vor Feuchtigkeit. Der über den gesamten Querschnitt diffusionsoffene Aufbau der Aufsparrendämmplatte unterstützt die Austrocknung eventuell auftretender Feuchte in der Konstruktion nach außen.

Aufsparrendämmplatte von Ursa
Die Aufsparrendämmplatte Ursa ASP 32 Plus besteht aus einer kaschierten Mineralwolle mit Stufenfalz und ist für die Verlegung auf den Sparren geeignet. | Foto: Ursa

Sichere und leichte Verarbeitung

Der umlaufende Stufenfalz von 2,5 Zentimetern ermöglicht die Herstellung einer in sich geschlossenen Dämmfläche und verhindert das Auftreten von Wärme- und Schallbrücken. Zudem sorgt er für eine leichte Verlegung. Auch die Schneidmarkierungen auf der Platte vereinfachen ihre Verarbeitung. Eine Platte bietet eine Deckfläche von 1,2 Quadratmetern bei einem Gewicht von etwa neun Kilogramm. So lassen sich die Dämmplatten zügig verlegen.
Die Dämmung wird direkt auf der diffusionsfähigen Dampfbremse Ursa Seco Pro 2 verlegt. Den Anschlüssen der Dampfbremse an die Massivbauteile und allen Durchdringungen wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt, sie werden systemgerecht mit den Ursa Seco Klebemitteln ausgeführt. Auf die Dämmschicht werden Konterlatten mit einem Querschnitt von sechs mal acht Zentimetern gesetzt, wobei die schmalere Seite aufliegt. Dies stellt die Hinterlüftung der Reeteindeckung sicher. Denn hierzu ist eine Schicht von mindestens 80 Millimetern notwendig. Darunter kommt das Ursa Seco Nageldichtband NB zum Einsatz.

Mitarbeiter der Dachdeckerei Asmussen
Dank der abgestimmten Systemkomponenten lässt sich ein funktionstüchtiger Dachaufbau herstellen. | Foto: Dachdeckerei Michael Asmussen

Befestigung im System

Die Befestigung der Aufsparrendämmplatte erfolgt gemäß statischer Vorbemessung mit Ursa Seco Systemschrauben ASP Fix durch die Konterlatte. Die Doppelgewindeschraube mit gleicher Steigung erlaubt eine Distanzverschraubung mit gleichmäßigem Abstand zwischen Konterlatten und Sparren. Eine horizontale Lage aus Querlatten mit einem Querschnitt von sechs mal acht Zentimetern vervollständigt die Dachkonstruktion. In diesem Fall ist die breitere Seite aufliegend.
Abschließend wird das Reetdach von der Traufe zum First gedeckt, wobei die einzelnen Lagen waagerecht durchgehend aufgebracht werden. Zunächst wird eine 30 Millimeter Schicht aus Reet als Vorlage gelegt. In Steinberg werden die einzelnen Decklagen mit Draht gebunden. Die Bindung muss fest an der Dachlattung liegen. Insgesamt beträgt die so aufgetragene Schicht aus Reet rund 30 Zentimeter.

Aufsparrendämmplatte mit Stufenfalz
Der umlaufende Stufenfalz gewährleistet eine wärmebrückenfreie Verlegung der Aufsparrendämmplatte. | Foto: Ursa