Baumaschinenkonjunktur weiterhin stark

FRANKFURT, 30.10.2017 – Für die deutsche Bau- und Baustoffmaschinenindustrie läuft das Jahr 2017 weiter gut. Nach derzeitigem Stand wird die Gesamtbranche das Jahr mit einem Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent abschließen. Das entspricht einem Niveau von etwa 14,6 Milliarden Euro.

VDMA_Auftragseingang-Umsatz 2008-2017
Der weltweite Umsatz mit Baumaschinen hat das Niveau von 2011 inzwischen hinter sich gelassen. Der Aufschwung ist breit und nur von wenigen Ausnahmen gekennzeichnet. | Grafik: VDMA
Bei Baumaschinen liegt der Auftragseingang nach einem sehr starken 2016 auch 2017 erneut im Plus, und zwar derzeit um 20 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des letzten Jahres: Erdbaumaschinen plus 24 Prozent, Straßenbaumaschinen plus 16 Prozent, Hochbaumaschinen plus 18 Prozent. „Zwar waren die Zeiten noch nie so chaotisch wie heute, aber bisher sind wir gut mit den Herausforderungen umgegangen, die Schlag auf Schlag kommen“, betont Johann Sailer, Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen.

Deutscher Markt stabil

Der deutsche Baumaschinenmarkt hat sich stark entwickelt. Heute werden in Deutschland so viele Baumaschinen abgesetzt wie im Rekordjahr 2007. Nach einem Wachstum von 20 Prozent im letzten Jahr wird es in diesem Jahr einen flachen Verlauf geben. „Wir sind an einem Punkt, wo sich normalerweise der Markt dreht. Eine nächste Krise erwarten wir jedoch nicht“, sagte Sailer, denn die Rahmenbedingungen seien heute andere als 2007: Die Kunden hätten viel Arbeit, die Hersteller erschlössen neue Kundensegmente wie beispielsweise im stetig wachsenden Galabau, und auch der ohnehin schon starke deutsche Vermietmarkt wachse weiter. Darüber hinaus könnten Maschinen heute problemlos auch in andere Märkte abfließen.
Johann Sailer, VDMA-Fachverband Bau- und Baustoffmaschinen
Die deutschen Baumaschinenhersteller haben derzeit wenig
Grund zum Meckern. Der Vorsitzende des VDMA-Fachverbandes
Bau- und Baustoffmaschinen, Johann Sailer, sieht aber auch die
Entwicklung bei den Baustoffanlagen positiv. | Foto: B_I

Weltweit hohe Nachfrage

Die Märkte in Europa befinden sich in einem stabilen Zustand. Der VDMA erwartet in diesem Jahr ein Wachstum im zweistelligen Bereich. Länder wie Italien, Spanien oder Osteuropa, die in den letzten Jahren problematisch waren, entwickeln sich überdurchschnittlich gut. Insofern gleicht sich das Niveau im europäischen Maßstab wieder an. Weltweit wachsen alle Märkte außer Brasilien und der Nahe und Mittlere Osten, jedoch unterschiedlich stark. Russland, Indien und China sind Beispiele dafür, wie sich die Volatilität erhöht hat: Nach starkem Rückgang wächst der chinesische Markt nach relativ kurzer Zeit jetzt wieder exorbitant, in manchen Produktgruppen derzeit über 50 Prozent. Das Gegenbeispiel ist Brasilien mit seinen hausgemachten Problemen. Der nordamerikanische Markt läuft normal und ist derzeit mit fünf Prozent im Plus. „Die Trump-Euphorie, wie sie noch auf der Conexpo zu spüren war, ist aber weg“, sagte Sailer.

Baustoffanlagen erholen sich nur langsam

Das Spektrum der Baustoffanlagen reicht von der Solarglasanlage bis zur Zementfabrik, eine echte Baustoffanlagenkonjunktur gibt es deshalb nicht. Der Auftragseingang liegt hier in den ersten acht Monaten bei minus acht Prozent. „Was schlecht klingt, ist eher positiv zu sehen“, sagte Sailer. „Wir vergleichen uns mit 2016, wo es im Frühjahr den Sondereffekt gab, dass Einzelaufträge die Branche massiv gepusht hatten.“ Anders gesagt, dass es nur acht Prozent sind, zeigt, dass es der Branche in der Breite bessergeht. Die Hersteller gehen davon aus, dass 2018 noch einmal deutlich besser werden wird. Die USA sind der derzeit größte Absatzmarkt für Baustoffanlagen aus Deutschland, gefolgt von China und Russland.

VDMA_Baumaschinenabsatz Deutschland 1997-2017
Der deutsche Markt legt – nach 20 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr – 2017 nochmals um drei Prozent zu und könnte am Jahresende das Niveau des „Fabeljahres“ 2007 erreichen. | Grafik: VDMA

Fokus Kanada

Der Branchenverband richtet seinen Blick verstärkt auf Kanada, dem Partnerland der bauma 2019. Sailer betonte, dass das im September in Kraft getretene Handelsabkommen CETA gut sei für europäische Unternehmen und ein wichtiges Zeichen gegen Abschottung und für offene Märkte. Die Unternehmen versprechen sich deutliche Handelserleichterungen durch den Zollabbau und die vereinbarte Zusammenarbeit bei der technischen Regulierung und damit mehr Wettbewerbsfähigkeit. Kanada ist für die Bau- und Baustoffmaschinenindustrie eher ein Mainstream-Markt. Das rohstoffreiche Land zählt zu den zehn wichtigsten Märkten für die Branche. Viele deutsche Hersteller bearbeiten den kanadischen Markt als Bestandteil ihrer USA-Strategie. Trotzdem erreichen die direkten Exporte von Deutschland nach Kanada Jahr für Jahr Größenordnungen wie solche nach Mexiko und Brasilien oder nach Italien. Im vergangenen Jahr wurden Bau- und Baustoffmaschinen im Wert von 106 Millionen Euro nach Kanada exportiert. „Wir wollen, dass alle wichtigen kanadischen Baufirmen und Vermieter nicht hauptsächlich auf der Conexpo in Las Vegas aufschlagen, sondern zur Weltmesse der Branche, der bauma, nach München kommen“, formulierte Sailer das mit dem bauma-Partnerland-Konzept verfolgte Ziel.