Schlanker und nicht brennbar: Was neue Dämmstoffe leisten

NEUMÜNSTER, 23.11.2017 – Seit dem Hochhausbrand in England ist das Brandverhalten von Dämmstoffen stärker ins Blickfeld geraten. Was können moderne Dämmstoffe in dieser Hinsicht leisten? Das „Fachforum innovative Dämmstoffe“ während der Nordbau gab Antworten.

von Benno Stahn

Calostat
Beste Wärmeleitfähigkeit und nicht brennbar: der Hochleistungsdämmstoff Calostat | Foto: Evonik

Wer gehofft hatte, das Fachforum über innovative Dämmstoffe während der Nordbau werde den ultimativen Dämmstoff präsentieren, den musste Moderator Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. enttäuschen: „Es gibt kein Produkt, das alle Probleme löst, den Wunderdämmstoff gibt es nicht“, so Walberg. Immerhin wurden drei recht unterschiedliche Dämmstoffe vorgestellt: eine Holzfaser-Dämmung, eine spritzbare mineralische Dämmung und ein nicht brennbarer Hochleistungsdämmstoff.

Mehr als ein Putz

Steffen Haupt von quick-mix stellte den ersten rein mineralischen, nicht brennbaren und zugleich hochwärmedämmenden Leichtputz Tri-O-Therm M vor, eine spritzbare mineralische Dämmung von Schwenk. Der Name Tri-O-Therm weist auf die dreifachen Komponenten aus Hartperlite, einem Luftporenbildner und einem mineralischen Bindemittel hin. Es handelt sich um einen Hybrid aus Dämmputz und mineralischem Leichtputz. Er kann bis 120 mm Dicke aufgetragen werden, ist nicht brennbar und diffusionsoffen.
Den niedrigen Lambdawert von 0,055 W/mK erreicht das System durch eine Kombination aus hochfesten Hartperliten und einem speziellen Luftporenbildner. Da der Leichtputz auf Mauerwerk jeder Art aufgebracht werden kann, sei er prädestiniert als Sanierputz für die Innendämmung, so Haupt. Da keine Ausgleichschicht notwendig sei, würden Kosten gespart. Der Putz ist komplett rückbaubar. Die Kosten für den wärmedämmenden Leichtputz sollen vergleichbar denen von Mineraldämmplatten sein.

Triotherm-Vorführung auf der Nordbau
Spritzbare Wärmedämmung: Tri-O-Therm M von Schwenk kann bereits nach drei Stunden bearbeitet werden. | Foto: B_I/B.Stahn

Dämmstoff aus dem Wald

Steico ist der größte Hersteller von Holzfaserdämmstoffen. Florian Wick, Steico-Fachreferent, räumte ein, dass es sich bei dem von ihm vorgestellten Dämmstoff SteicoFlex 036 nicht um eine Innovation, sondern um ein Weiterentwicklung handele. Die Bezeichnung „036“ weist auf den Lambdawert von 0,036 W/mK hin. Ausgangsstoff ist frisches Nadelholz aus der Durchforstung. Stämme werden zerkleinert und die Holzfasern von Mahlscheiben aufgeschlossen. Dabei entstehen Hohlräume in den Fasern mit stehender Luft. Die Holzfaser wird mit einer Stützfaser aus 2-3 % Textilfaser, eine sogenannte BiCo-Faser, vermengt. Diese Faser weist einen duroplastischen Kern und einen thermoplastischen Mantel auf.
Das Fasergemisch wird zu Matten abgestreut und durchläuft eine Heißluftstrecke, dabei verbindet sich die Holzfaser mit der Textilfaser. Verglichen mit dem Ausgangsstoff Holz entspricht das Endprodukt einer Verachtfachung von Rohholz zu Dämmstoff. Steicoflex ist recycelbar oder in geeigneten Feuerstellen thermisch zu verwerten. Die Kosten liegen leicht über Mineraldämmstoffen bei gleicher Dämmstärke.

Steicoflex als Zwischensparrendämmung
Steicoflex 036 wird aus frischem Nadelholz gefertigt. | Foto: B_I/B.Stahn

Bestnoten beim Brandverhalten

„Heute werden für die Dämmung architektonische Lösungen gesucht für dünnere und schlankere Konstruktionen. Vor allem soll sie nicht brennbar sein und einen guten Lambda-Wert haben. Am besten auch nachhaltig sein und mineralisch“, stellte Evonik-Verkaufsleiter Oliver Jung fest. Gesucht wird also ein Hochleistungs- oder Superisolationsdämmstoff. Der müsse eine Wärmeleitfähigkeit von unter 0,02 W/(mK) haben, wie der von Evonik entwickelte Dämmstoff „Calostat“. Er besteht aus mineralischen Rohstoffen und gehört mit dem Lambda-Wert von 0,019 in die Kategorie „Hochleistungsdämmstoff“. Die geringe Wärmeleitfähigkeit wird u.a. erreicht durch kleine Porenbildung (Mikroporen). „Calostat“ besteht aus Kieselsäure (Quarzsand).
Als nicht brennbar könne er sich darüber hinaus in die Baustoffklassifizierung A einreihen und sei damit besonders für den Hochhausbau interessant, wo diese Klassifizierung zwingend vorgeschrieben werde. Calostat wirke eher wie eine Brandschutzplatte, ist emissionsfrei und recycelbar. Eine speziell für die Baubranche entwickelte Dämmplatte von 20 - 50 mm Stärke hat eine hohe Druckfestigkeit und ist kernhydrophobiert, sie nimmt also kein Wasser auf. Weil inzwischen im Sommer mehr Energie zum Kühlen aufgewandt wird als im Winter zum Heizen, sollte ein Dämmstoff im Sommer gleich gute Eigenschaften haben wie im Winter. Herkömmliche Dämmstoffe ließen im Sommer aufgrund der Temperatureinstrahlung in ihrer Wirkung nach – nicht so Calostat, versicherte Jung. Dass soviel gute Eigenschaften auch ihren Preis haben, blieb nicht unerwähnt: Die Kosten mit ca. 60 Euro pro Quadratmeter für eine 20 mm Dämmstoffplatte liegen deutlich über denen herkömmlicher Dämmstoffe.