Wohnen an der Hafenkante: Weserhäuser mit zweischaliger Wand

LEIPZIG, 03.01.2017 - In Bremens Stadtentwicklungsprojekt „Überseestadt“ wird hochwertiger Wohnraum geschaffen. Dazu gehören auch die fünf „Weserhäuser“ in klassischer Bauweise mit zweischaliger Wand. Hinter ihrer hellen Klinkerfassade verbirgt sich eine Kerndämmung von der Rolle.

Projekt Weserhaus in der Bauphase
In der Überseestadt in Bremen entsteht mit dem Projekt „Weserhäuser“ ein modernes neues Wohnquartier.

Das Bremer Hafenviertel befindet sich im Umbruch: Wo früher der Handel blühte und Containerschiffe anlegten, entsteht jetzt ein modernes Quartier mit maritimem Flair und industriellem Charme. In Südwestlage zur Weser, im Quartier „Hafenkante“, befindet sich das Projekt „Weserhäuser“. Es umfasst fünf Mehrfamilienhäuser mit 136 Wohneinheiten auf einer Gesamtfläche von rund 10.100 Quadratmetern. Vier der Gebäude verfügen über fünf, eins über sieben Geschosse. Die Häuser werden von der Justus Grosse Projektentwicklung GmbH realisiert, der Entwurf stammt vom Hamburger Büro pfp architekten bda.

Außenwand mit Ursa Geo gedämmt

Charakteristisch für den neuen Gebäudekomplex ist die Farbigkeit und Materialwahl der hellen Klinkerfassade. Die zweischalige Außenwand besteht aus einem 24 Zentimeter dicken Hintermauerwerk aus Kalksandsteinen, einer 16 Zentimeter dicken Dämmebene als Kerndämmung mit vier Zentimetern Luftschicht und den sichtbaren 11,5 Zentimetern Klinker-Steinen. Die verwendete gelb kaschierte Ursa Geo Kerndämmrolle KDR 35/V weist einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,035 W/(mK) auf. Mit der Verwendung der Kerndämmrolle wird ein U-Wert der opaken Außenbauteile von 0,21 W/(m²K) erreicht. Dies ist die Voraussetzung, um den KFW-Effizienzstandard 70 zu erreichen.
Die Kerndämmrolle ist nicht brennbar (Euroklasse A1 nach DIN EN 13501-1) und als Dämmung bei zweischaligen Wänden mit und ohne Luftschicht – ohne Begrenzung der Gebäudehöhe – einsetzbar. Dank ihrer guten schalldämmenden Eigenschaften (AFr ≥ 5 kPa • s/m²) wirkt sich die Dämmung positiv auf den Schallschutz aus. Die Kerndämmrolle aus Mineralwolle ist durchgehend wasserabweisend ausgerüstet, die einseitige Kaschierung mit gelbem Glasvlies schützt das Gebäude zusätzlich vor dem Eindringen von Kaltluft, Staub und Nässe. Gleichzeitig unterstützt die Diffusionsoffenheit des Dämmstoffs die Austrocknung des Hintermauerwerks.

Setzen der Anker
Zunächst werden die Drahtanker in die Dübelhülsen eingesetzt.

Verlegung schnell und einfach

Die Dämmelemente werden mit der Vlieskaschierung nach außen sorgfältig dicht gestoßen verlegt. Kreuzfugen sind zu vermeiden. Zur einfachen Montage werden die oberen Luftschichtanker leicht nach oben gebogen. Nach dem Ausrollen der Dämmung können sie wieder in ihre Ausgangslage zurückgebogen werden. Im Gegensatz zu aufgesteckten Platten kann der ausgerollte Dämmstoff so in die richtige Lage geschoben und ausgerichtet werden. Zum Schluss wird die Dämmung mit Klemmscheiben in der Lage gesichert. Ein sogenannter „Matratzeneffekt“ ist hierbei zu vermeiden – das heißt, dass die Klemmscheiben die Dämmung nicht eindrückt.
„Bei der Wahl des Dämmstoffes waren nicht nur die technischen und physikalischen Eigenschaften ausschlaggebend. Die schnelle und einfache Verlegung der Kerndämmrolle war für uns ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium“, erklärt Henning Bunjes, Bauleiter bei der Ludwig Freytag GmbH & Co. KG. So beträgt die Höhe der verwendeten Großformat-Mauersteine bei dem Bauvorhaben 500 Millimeter. Die Kerndämmrolle mit derselben Höhe ist damit optimal auf das Mauerwerk abgestimmt. Nachdem die Luftschichtanker zuvor alle 500 Millimeter horizontal in jede Fuge der Großformatsteine gelegt werden, lässt sich die Rolle schnell und problemlos zwischen den Ankern ausrollen. An Betonbauteilen, wo sich keine Anker befinden, werden LSA nachträglich durch Dübeln angebracht. Das kann aber – zum Beispiel in Eckbereichen – ohne Probleme auch erst nach der Verlegung der Dämmung erfolgen.

Einsetzen des Dämmstoffs
Mit einer Höhe von 50 cm ist die Kerndämmrolle auf die üblichen Mauerwerksmaße angepasst.

Vorteile gegenüber Platten

Die Rolle erweist sich zudem als sehr anpassungsfähig. An Gebäudeöffnungen wie Fenster oder Türen lässt sie sich exakt auf das erforderliche Maß zuschneiden. Dabei kann mit der Verwendung der Dämmrolle Zeit und Material gespart werden, denn mit einer Länge von 3.600 Millimetern ermöglicht die Rolle eine einlagige Verlegung mit geringem Fugenanteil. Dämmplatten müssen dagegen zweilagig verlegt werden, um Fugen zu überdecken und Wärmebrücken auszuschließen.
Zudem ist der Transport- und Logistikaufwand im Vergleich zur Plattenware geringer. Insgesamt werden bei diesem Projekt rund 5.000 Quadratmeter verarbeitet, das entspricht etwa 1.390 Rollen. In Plattenware wäre dieselbe Menge in 2.140 Pakete geliefert worden – 750 Pakete mehr. Bunjes: „Die logistischen Abläufe auf einer Großbaustelle wie den Weserhäusern sind besonders anspruchsvoll. Da können Baustoffe mit einem geringen Platzbedarf und guten Transporteigenschaften punkten.“

Nach dem Fixieren der Dämmung mit Klemmscheiben wird das Verblendmauerwerk aufgemauert. | Fotos: Ursa