Fassaden: Brandtests an 22 Meter hohem Prüfstand

DRESDEN, 25.01.2018 – In Freiberg steht seit Kurzem Europas modernster und größter Fassadenbrandprüfstand. Spezialisten der MPA Dresden nutzen ihn für Brandtests an unterschiedlichen Fassaden-Konstruktionen. Bis zu 15 Meter hohe Musteraufbauten lassen sich hier auf ihr Verhalten bei Feuer testen.

Brandtest beim Fasadenprüfstand in Freiberg
An Europas modernsten Fassadenprüfstand werden Brandtests zur Prüfung und Zertifizierung von Fassaden, Glasfassaden,  Komponenten- oder Integralfassaden durchgeführt.

Wenn hier Flammen an einer Fassade entlangzüngeln, geschieht es mit gutem Grund. Das Feuer wurde absichtlich gelegt – von Mitarbeitern der Materialprüfanstalt Dresden, die im hoch modernen Fassadenprüfstand, der kürzlich im sächsischen Freiberg eingeweiht wurde, arbeiten.
Der weithin sichtbare Turm verfügt über beeindruckende Maße. Er ist 22 Meter hoch, 15 Meter lang, 12 Meter breit und ist in dieser Größe in Europa wohl einzigartig. Die Spezialisten der MPA Dresden führen hier Brandtests zur Prüfung und Zertifizierung von Fassaden, Glasfassaden und Komponenten- oder Integralfassaden durch. Herausragend ist vor allem die nutzbare Höhe des Prüfstandes. „Wir können hier bis zu 15 Meter hohe Fassaden aufbauen“, sagt Dipl.-Ing. Thomas Hübler, Geschäftsführer der MPA Dresden. „Damit können wir auch Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), wie sie an Hochhäusern eingesetzt werden, besonders realistischen und genauen Tests unterziehen.“ Wie wichtig solche Prüfungen sind, haben unter anderem die tragisch verlaufenden Hochhausbrände in London gezeigt.

Turm des Fasadenprüfstandes in Freiberg
Der Prüfstand hat beeindruckende Maße. Es  können bis zu 15 Meter hohe Fassaden für Brandtests aufgebaut werden.

Brandentwicklung von Kameras überwacht

Die Halle verfügt über feuerfeste Wände und zwei große Tore. Das Dach kann geöffnet werden, sodass die Tests einerseits bei jeder Witterung durchführbar sind, andererseits kann der entstehende Qualm schnell abziehen. Im Innenraum kommt Hightech zum Einsatz: Über 200 Temperatur-Messstellen ermöglichen eine genaue Analyse der Brandentwicklung, dazu zeichnen Kameras das Geschehen von jeder Seite auf. Die horizontale und vertikale Ausbreitung des Feuers wird lückenlos erfasst. Das ermöglicht eine sehr präzise Einschätzung des getesteten Materials.

Viele Szenarien simulierbar

Bei der Planung des rund eine Million Euro teuren Prüfstandes wurde von Anfang an viel Wert darauf gelegt, dass er vielseitig nutzbar ist. Die Experten der MPA Dresden können hier nicht nur die Auswirkungen von Sockelbränden testen, auch Brände mit Brennkammer und Brände an Fassaden mit An- und Einbauten, wie etwa Fotovoltaik, sind möglich. Zum Einsatz kommen Prüfverfahren nach den Normen E DIN 4102-20, DIN EN 13501, DIN 18089-1, BS 8414-1, SP FIRE 10,5 und Önorm B 3800-5. „Die große Flexibilität des Testfeldes macht auch Sonderprüfungen möglich. Wir können etwa Brände in Hochregallagern, an Windkraftanlagen oder auch an Schiffswänden simulieren“, so Hübler. 

Mitarbeiter der MPA Dresden beim Brandtest
Kameras zeichnen das Geschehen während der Brandtests von jeder Seite auf. | Fotos: MPA Dresden

Die Materialprüfanstalt Dresden…

… prüft, klassifiziert und zertifiziert Bauprodukte nach nationalen und europäischen Normen und verfügt über ein akkreditiertes Prüflabor für Feuerlöschgeräte und Feuerlöschmittel. Ein weiterer Schwerpunkt der MPA Dresden liegt auf der Brandschutzbewertung und Brandschutzplanung von Bestands- und Neubauten und gutachterlicher Stellungnahme zum Brandschutz.



Auch beeindruckend ist der ThyssenKrupp-Testturm in Rottweil.