ACO Regenwelten: "Wir müssen etwas tun!"

HAMBURG, 04.12.2017 – Die Fachseminarreihe „ACO Regenwelten 2017“ startete am 10. Oktober in Hamburg. Es ging um den Klimawandel, Starkregenereignisse und die damit verbundenen infrastrukturellen Probleme. Klar war: Nachhaltiges Regenwassermanagement ist eine (kommunale) Gemeinschaftsaufgabe und flächendeckend nur durch mehr Anstrengung zu erreichen.

von Boris Valdix

Besucher der "Regenwelten" auf der Begleitausstellung
In den Pausen konnten die Teilnehmer die Fachausstellung mit verschiedenen ACO-Lösungen besichtigen. | Fotos: B_I / Valdix

Nach zwei Jahren fand ACO Regenwelten, eine Plattform zur Wissensvermittlung und zum Austausch, in diesem Jahr seine Fortsetzung. Die sieben Veranstaltungen mit festen und regionalen Vorträgen wurden über das ganze Bundesgebiet verteilt: Hamburg, Berlin, Hannover, München, Rust, Leverkusen, Fürth. Den Auftakt machte die Veranstaltung in Hamburg, die mit 120 Teilnehmern gleich sehr gut besucht war.

Mehr Starkregen durch Klimawandel?

Für den richtigen Durchblick beim Thema Klimawandel sorgte der – zumindest im Norden – aus dem Fernsehen bekannte Meteorologe Dr. Meeno Schrader (WetterWelt GmbH, Kiel). Der Klimawandel werde oft angezweifelt, „doch er ist präsent und schreitet stetig voran“, so der Experte. Doch bedingt der Klimawandel tatsächlich eine Zunahme von Starkregenereignissen? Einige verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass eindeutige messtechnische Nachweise noch nicht (vollständig) erbracht worden seien. So auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Hinblick auf die letzten Dauer- und Starkregen in Deutschland im Juli, wobei der DWD zumindest vom „Einfluss des Klimawandels“ ausgeht. Einig sind sich die Wetter-Experten inklusive Meeno Schrader aber darin, dass die globale Erwärmung mehr Potenzial für Extremwetterereignisse bietet. Wärmere Luft etwa kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was Starkregenereignisse letztlich begünstigt. Eine weitere Folge der globalen Erwärmung ist die Expansion der Meere, also ein Anstieg des Meeresspiegels, was vor allem für den Küsten- bzw. Überflutungsschutz relevant wird.
„Unabhängig davon, ob Starkregenereignisse zunehmen, müssen wir etwas tun!“, warnt Dipl.-Ing. Klaus Krieger, Abteilungsleiter Konzeption des Ver- und Entsorgungssystems, Hamburg Wasser. Die Infrastruktur sei nicht ausreichend an den Klimawandel bzw. Starkregenereignisse angepasst.

Meeno Schrader
Wetter-Experte Dr. Meeno Schrader machte eindrucksvoll die Folgen des Klimawandels deutlich.

Lösungsansätze für urbane Räume

„Wir benötigen ein gesamtheitliches Entwässerungsmanagement“, meinte Dipl.-Ing. Markus Blaschke, Schulungsleiter der ACO Academy, und war sich darin mit den anderen Referenten einig. Das umfasse die interdisziplinäre Erarbeitung nachhaltiger, innovativer Lösungen. Gefordert sind also die Stadtentwicklung (Planer), die Anlagen-Betreiber, die Forschung bzw. Wissenschaft und auch die Privatpersonen im Bereich der Grundstücksentwässerung.
In verschiedenen Städten im In- und Ausland gibt es erfolgreich umgesetzte nachhaltige Regenwasser-Projekte, so auch in der Hansestadt Hamburg, die 2011 wie viele andere Städte von Starkregenereignissen böse erwischt wurde. Ein treffendes Beispiel für multifunktionale Flächennutzung nannte Klaus Krieger: 2013 wurde in einem trennkanalisierten Gebiet Deutschlands erster Regenspielplatz im Stadtteil Neugraben-Fischbek im Hamburger Südwesten eingeweiht. Zum Konzept gehört eine in den Spielplatz integrierte Flutmulde, die bei Starkregen überschüssiges Regenwasser aus dem Kanalnetz aufnimmt und es über Sickergräben zu einem benachbarten Brunnenschutzgebiet weiterleitet.

Dezentrale Regenwasser-Bewirtschaftung für öffentliche Fächen

Doch natürlich kann es nicht bei einzelnen Projekten bleiben. Flächendeckend muss in Zukunft mehr passieren. Nur was? „Viele konventionelle Lösungsansätze wie z.B. Straßenabläufe, Rückstausicherungen oder Gewässerunterhaltung sind nicht sexy, aber wirksam und kosteneffizient“, so Klaus Krieger, der darüber hinaus weitere Möglichkeiten aufzeigte: Eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung – vermehrt auch auf öffentlichen Flächen – sei ein richtiger und wichtiger Weg, der langfristig Erfolg haben könne. Zudem habe der Objektschutz z.B. in Form von Barrieresystemen, Bodenwellen oder Rückstausicherungen „eine ganz wichtige Funktion“, für Private auch vor dem Hintergrund des § 5 Abs. 2 WHG. Regenradare und Echtzeitsimulationen im Rahmen einer modernen Kanalnetzsteuerung seien weitere Lösungsansätze, ebenso wie die Grabenentwässerung und die Anpassung des Straßenprofils etwa in V-Form. Weiter nannte Krieger die Optimierung von Straßenabläufen, mit der sich etwa die Bergische Universität Wuppertal auseinandergesetzt und dabei die Leistungsfähigkeit von Straßeneinläufen untersucht hat. Im Abschlussbericht von 2016 wird aufgezeigt, welche Schlitzgeometrie sich für welche örtliche Gegebenheit eignet.

Markus Blaschke
Markus Blaschke, Schulungsleiter der ACO Academy, sieht die Zukunft in der unterirdischen Speicherung von Regenwasser.
Klaus Krieger
„Unabhängig davon, ob Starkregenereignisse zunehmen, müssen
wir etwas tun!“, warnt Klaus Krieger, Abteilungsleiter Konzeption
des Ver- und Entsorgungssystems, Hamburg Wasser.

Mehr Daten für bessere Planung

Wo genau Starkregenereignisse auftreten, ist schwer vorhersagbar. Das stelle die Planbarkeit von Maßnahmen vor eine große Herausforderung, machte Meeno Schrader deutlich. „Für die Entwässerungsplanung ist daher die Gewinnung von Daten sehr wichtig“, bestätigte Markus Blaschke. Die KOSTRA(Koordinierte Starkniederschlags-Regionalisierungsauswertungen)-Rasterdaten des DWD werden bereits seit vielen Jahren genutzt. Darüber hinaus gewännen neben Wettervorhersagen vor allem auch hydrodynamische Simulations- bzw. Berechnungsmodelle wie das im Sommer 2017 gestartete Verbundprojekt „SYNOPSE II“ (Synthetische Niederschlagsreihen für die optimale Planung und den Betrieb von Stadtentwässerungssystemen) künftig an Bedeutung, glauben beide Referenten.

Fachausstellung mit innovativen Produkten

In den Pausen konnten sich die Regenwasser-Experten nicht nur untereinander austauschen, sondern auch die Fachausstellung besichtigen. Hier präsentierte ACO Tiefbau verschiedene innovative Entwässerungslösungen, die bei den Teilnehmern auf reges Interesse stießen. Mit dabei war etwa die luftdurchlässige und rutschfeste Schachtabdeckung Multitop Plus mit verbesserten dämpfenden Einlagen sowie der flexible Straßenablauf Combipoint PP aus Polypropylen inklusive neuen Aufsätzen. Im Bereich Rinnensysteme zeigte ACO seine mit einer Dichtung ausgestattete „Drain Multiline Seal in“, die Kunststoff-Retentionsrinne Qmax zur sicheren und schnellen Entwässerung auch großer Regenmengen, die Schwerlastrinne PowerDrain mit integrierter Dämpfung sowie die stabile Bordstein-Rinne KerbDrain aus Polymerbeton. Ferner stellte ACO seinen neuen Blockspeicher Stormbrixx SD aus. Das für den Pkw-Verkehr und Havariefahrzeuge geeignete Rigolensystem aus Polypropylen speichert Regenwasser und gibt es zeitverzögert an die Vorflut oder Kanalisation ab. Die Entwässerungskanäle werden dadurch bei Starkregen entlastet.

Teilnehmer der "Regenwelten" in Hamburg
Mit 120 Teilnehmern startete die erste von insgesamt sieben Veranstaltungen der Fachseminarreihe „ACO Regenwelten 2017“ am 10. Oktober in Hamburg.

Erfolgreiche Seminarreihe 2017

So erfolgreich wie das erste Regenwelten-Fachseminar 2017 in Hamburg verliefen auch die sechs weiteren. Nach der letzten Veranstaltung am 16. November in Fürth zeigte sich Bernd Bathke, Projektleiter ACO Regenwelten, erfreut: „Zum Erfolg der Roadshow ACO Regenwelten 2017 beigetragen haben sicherlich die Locations, aber vor allen Dingen die sehr guten und professionellen Referenten, die mit fachlich fundierten, informativen und spannenden Vorträgen bei allen Veranstaltungen die Teilnehmer begeisterten. Viele Teilnehmer haben uns bestärkt, diese Veranstaltungsreihe weiter fortzuführen und wir freuen uns schon heute, in zwei Jahren die bundesweite Roadshow ACO Regenwelten 2019 wieder durchzuführen.“



Eine etwas ausführlichere Version dieses Berichts lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe (6/17) der B_I umweltbau.