An Bord bei IBAK: Vorträge, Diskussionen und Meer

KIEL, 06.12.2017 – Einmal Kiel – Oslo und zurück an Bord des Fährschiffes „Color Magic“: Das war der Rahmen für das Seminar „Rund ums Rohr“, zu dem der Kieler Hersteller von Kanalinspektions- und Robotersystemen IBAK eingeladen hatte.

von Artur zu Eulenburg

Color Magic im Hafen von Oslo
Die „Color Line“-Fähre im Hafen von Oslo

Insgesamt zwölf Mal hat IBAK bisher das Seminar „Rund ums Rohr“ veranstaltet. Bereits sechs Mal nutzte der Weltmarktführer auf dem Gebiet der Kanalinspektionssysteme die Besonderheit des Firmensitzes in Kiel mit seinem Hafen als Tor nach Skandinavien. Von hier aus pendeln täglich im Wechsel die beiden Fährschiffe „Color Magic“ und „Color Fantasy“ zwischen Kiel und Oslo. In diesem Jahr konnte IBAK-Geschäftsführer Dr. Werner Hunger rund 100 Teilnehmer an Bord begrüßen, die sich in dieser besonderen Atmosphäre über aktuelle Themen und Neuheiten rund um die Zustandserfassung und die Sanierung von Entwässerungssystemen informieren wollten.

Kanalinspektion als Herausforderung

Manfred Fiedler von Fiedler-Consult plädierte in seinem Vortrag über Optimierungsmöglichkeiten bei der TV-Untersuchung und einen kritischen Umgang mit dem Regelwerk für ein dichtes Kanalnetz entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Hinsichtlich der TV-Inspektion spiegeln nach Fiedlers Auffassung die bestehenden Vorschriften in ihrer Reinform nicht den aktuellen Informationsbedarf wider. „Wir zahlen viel Geld für Informationen, die wir zum jetzigen Zustand nicht benötigen, und wenn wir sie später benötigen, sind sie zu alt“, so Fiedler. Deshalb müssten die Regeln vom Auftraggeber kreativ genutzt werden. Daraus ergeben sich nach seinen Berechnungen bei der Inspektion Einsparungsmöglichkeiten bis zu 50 Prozent. Geld, das der Netzbetreiber sinnvoller in die Untersuchung der Anschlussleitungen investieren könne.

Werner Hunger
Dr. Werner Hunger begrüßte rund 100 Teilnehmer an Bord der Color Magic.

Licht ins Dunkel bei der Reinigung

Lüdeke Graßhof von der Firma Geodoc gab in seinem Vortrag einen Überblick über Systeme, die eine Kombination aus Inspektion und Kanalreinigung ermöglichen und konzentrierte sich dann auf die Vorstellung der Sehenden Nordseedüse. Dabei handelt es sich um eine lenkbare Reinigungsdüse mit einer integrierten Kamera und einer leistungsstarken LED-Beleuchtung. Die Düse ermöglicht eine Kanalreinigung mit bis zu 230 bar und 270 l/min. Die Reichweite beträgt 210 bis 600 Meter in Rohrdurchmessern von DN 100 bis DN 1200.

Lüdeke Graßhof
Lüdeke Graßhof berichtete über die Leistungsfähigkeit und die
Einsatzmöglichkeiten der Sehenden Nordseedüse.

Mit den Steuerdüsen und einem hinter der Reinigungsdüse angeordneten Drehmotor lässt sich die Sehende Nordseedüse vom Hauptkanal exakt auch in Hausanschlüsse steuern. Graßhoff wies auf die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Sehenden Nordseedüse hin, mit der sich auch Anschlussleitungen mehrfacher Ordnung reinigen und Inspizieren lassen. Die gezeigten Beispielbilder aus der Praxis verdeutlichten die optische Qualität der von der Kamera aufgenommenen Inspektionsvideos und die Leistungsfähigkeit des Systems im rauen Alltagseinsatz.
Die Bedienung dieser Technik erfordere jedoch qualifiziertes Personal, stellte Graßhoff klar und betonte, der Einsatz stelle keinen Ersatz für die klassische TV-Inspektion dar. Das System sei jedoch hervorragen für die Kanalreinigung unter Kamerakontrolle geeignet und sei ausgesprochen leistungsfähig und schwierigen Einsatzbedingungen in stark beschädigten Kanälen.

Datenformat definieren

Den Weg der Daten von Auftragsvergabe über die Datenerfassung bis zur Weitergabe betrachtete Arno Jugel in seinem Vortrag am Beispiel der Rohrleitungsverlaufmessung. Der IBAK-Vertriebsleiter für Software vereinte dabei die Blickwinkel von Netzbetreibern, Ingenieurbüros und Dienstleistern für eine erfolgreiche Kanalinspektion mit Mehrwert. „Damit die Qualität, die durch die am Markt vorhandene Technik erreicht werden kann, zum Einsatz kommt, muss diese in den Ausschreibungen angefordert und die gewünschte Form der Daten genau definiert werden“, konstatierte Jugel.

Jörg Sebastian
Dr. Jörg Sebastian informierte über Veränderungen in der das Schlauchliningverfahren betreffenden Normung.

Überarbeitete Norm

Dr. Jörg Sebastian vom Sachverständigenbüro für Kunststoffe SBKS informierte über Veränderungen in der das Schlauchliningverfahren betreffenden Normung. Die neue Norm sei auf den Weg gebracht und befinde sich aktuell in der Veröffentlichungsphase. Darin wird die Ermittlung der Wanddicke von Marterialproben aus Schlauchlinern neu geregelt. Da bisher abgezogene Verschleiß- und Reinharzschichten in Zukunft bei der Wandstärke mit berücksichtigt werden und damit die tatsächliche Wanddicke des Probestückes als Grundlage für die Materialprüfung genommen werden soll, werden sich die ermittelten Werte für den E-Modul ändern. Dies wird, so die Einschätzung von Dr. Sebastian – zumindest übergangsweise – für Verwirrung sorgen.

Unterirdisches Klärwerk in Oslo
Landgang ins Oslo: Die Besichtigung des vollständig in den Berg gehauenen Klärwerkes ist immer wieder eine besondere Attraktion. | Fotos: A. zu Eulenburg

Fortsetzung des Seminars folgt

Mit einem Überblick über die unterschiedlichen Varianten der Schachtsanierung beendete Torsten Schamer von Arkil Inpipe das Vortragsprogramm des Seminares auf See, bevor Dr. Werner Hunger den offiziellen Teil der Veranstaltung beendete und überleitete zu einem Abend an Bord, an dem in geselliger Runde noch bis in die Nacht hinein gefachsimpelt und diskutiert wurde – auch über die Frage, in welcher Form es denn mit dem Seminar „Rund ums Rohr“ weiter geht. Entscheidungen sind dem Vernehmen nach noch nicht gefallen. Man darf also gespannt sein, in welchem Rahmen sich die Veranstaltung in voraussichtlich zwei Jahren präsentiert. Für diejenigen, die 2017 dabei waren, war die Kombination aus Fachvorträgen und Meer allemal ein besonderes Erlebnis.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe (6/17) der B_I umweltbau.