schematische Darstellung von E-Power Pipe
Das grabenlose Erdkabel-Verlegeverfahren schafft Verlegedistanzen von bis zu 1,5 km. | Foto: Herrenknecht

Herrenknecht erhält Sonderpreis für E-Power Pipe

STUTTGART, 17.07.2017 – Für ihr grabenloses Erdkabel-Verlegeverfahren E-Power Pipe hat die Herrenknecht AG beim diesjährigen Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg den Sonderpreis der Jury erhalten. Die Preisverleihung fand am 13. Juli in der Schwabenlandhalle in Fellbach statt.

Das prämierte Verfahren schafft ohne offene Gräben Verlegedistanzen von bis zu 1,5 km auf einer geraden Strecke. Im Durchmesser der Vortriebsmaschine und der Pilotrohre von nur 505 mm sind sämtliche eigens dafür entwickelte Technologien für Bohrung, Vorschub, Vermessung und Förderung des abgebauten Materials untergebracht. Sowohl das Pilotprojekt als auch ein erster Baustelleneinsatz wurden Anfang 2017 erfolgreich abgeschlossen. Die Markteinführung ist noch für diesen Sommer geplant.

Spezielle Technik ermöglicht lange Vortriebslängen

Bislang konnten Erdkabel nur bei kurzen Unterquerungen von Hindernissen grabenlos verlegt werden. Da das Verfahren mit der E-Power Pipe jedoch die Eingriffe an der Oberfläche deutlich reduziert, werden künftig auch längere Abschnitte ohne offene Gräben verlegt werden können. Dabei werden 9 m lange Stahlvortriebsrohre vom Start bis zum maximal 1,5 km entfernten Zielpunkt eingebracht. Im Startschacht befindet sich ein Pressenrahmen, der den Rohrstrang vorschiebt. Nach Durchstich am Zielpunkt wird die Bohrmaschine an der Spitze demontiert. Anschließend werden die Kabelschutzrohre aus Kunststoff an den Pilot-Stahlrohrstrang angekoppelt. Mit dem Rückzug des Rohrstrangs durch den Pressenrahmen am Startpunkt werden sie in das Bohrloch eingezogen.
Mit dem Verfahren sind nach Einschätzung von Herrenknecht Vortriebsgeschwindigkeiten von 10 Metern pro Stunde (inklusive der Kopplungsvorgänge) möglich. Gebohrt wird mit einem um zweimal 360 Grad drehbaren Schneidrad, angetrieben durch ein Hydraulikaggregat. Das gelöste Material fällt durch Öffnungen in die Brecherkammer und wird dort zerkleinert. Eine Strahlpumpe saugt das Material mithilfe der Bohrspülung aus der Kammer und schiebt es bis zu 1,5 km aus dem Vortriebsrohrstrang heraus bis zum Startpunkt. Hier wird es in feste und flüssige Bestandteile getrennt, bevor die Bohrspülung wieder zur Maschine gepumpt wird.

Bereit für zukünftige Erdkabel-Projekte

Angestrebt ist, dass die großen Gleichstromkabelprojekte wie die Nord-Süd-Trassen, spätestens 2025 ans Netz gehen. „Diese sind laut Gesetzgebung vorrangig als Erdkabel zu planen“, erklärt Dr. Marc Peters, Leitung Geschäftsfeld Energie bei Herrenknecht. „Die grabenlose Technik kann dabei helfen, die Belastungen bei der Kabelverlegung zu verringern und so die Akzeptanz für die Trassen zu erhöhen.“

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vergibt alle zwei Jahre den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg. Der Preis soll für hervorragende und innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik verliehen werden.
Das Preisgeld beträgt 100.000 Euro und wird auf vier Kategorien und einen Sonderpreis der Jury verteilt. Letzterer orientiert sich an aktuellen umweltpolitischen Herausforderungen und technischen Erfordernissen.