Abwasserentsorgung für den Preis eines Brötchens

HENNEF, 09.07.2014 – Für die Entsorgung ihres Abwassers zahlen die Deutschen pro Jahr knapp 143 Euro pro Person, das entspricht 39 Cent täglich. Die Kosten sind zwar seit 2002 stabil, unterscheiden sich allerdings stark von Region zu Region.

Dies zeigen die Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage zu den Wirtschaftsdaten der Abwasserbeseitigung, die die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund durchgeführt hat. Danach sind jährlichen Ausgaben der Bürger für die Abwasserbehandlung sind seit 2002 stabil, verschiedene Rahmenbedingungen führen jedoch dazu, dass sich die Kosten für den Bürger regional stark unterscheiden.
An der im Jahr 2013 von der DWA durchgeführten Datenerhebung haben sich überwiegend mittlere und größere Abwasserbetriebe mit deutlich über 40 Millionen in den Entsorgungsgebieten gemeldeten Einwohnern beteiligt. Die Untersuchung ergab auch, dass die Gesamtinvestitionen der Abwasserentsorger im Jahr 2013 voraussichtlich 4,6 Milliarden Euro betragen werden. Ein erheblicher Anteil davon fließt in die regionale Wirtschaft. Das bedeutet, dass die zumeist in öffentlicher Organisationsform tätigen Abwasserbetriebe in Deutschland einen wichtigen Beitrag zu einem gleichbleibend hohen Auftrags- und Beschäftigungsniveau in der Branche, im Bausektor und der Zulieferindustrie leisten.

Pro Kopf 143 Euro jährlich

In Deutschland werden die Abwassergebühren nach dem Kostendeckungsprinzip erhoben. Dies bedeutet, dass der Bürger verursachungsgerecht nur die Kosten trägt, die dem Abwasserbeseitiger für die Ableitung und Behandlung entstehen. Die durchschnittliche jährliche Gebühren- und Beitragsbelastung des Bürgers beträgt knapp 143 Euro. Trotz geringer Schwankungen blieben die Abwassergebühren stabil. Bei der Berechnung der Gebühren kommt auch bei mittleren und kleinen Betrieben zunehmend der getrennte Gebührenmaßstab zur Anwendung. Ein Trend, der auch aufgrund einer geänderten Rechtsprechung in einzelnen Bundesländern besteht und sich zukünftig weiter fortsetzen wird.

Regional unterschiedliche Belastung

Auffällig ist, dass sich die finanziellen Belastungen der Bürger regional sehr stark unterscheiden. Ursächlich sind hierfür insbesondere abweichende Kalkulationsgrundlagen, Unterschiede bei der zeitlichen Investitionstätigkeit, deren Finanzierung und bei Zuschüssen. Zudem wirken sich Strukturunterschiede, der schwankende Wasserverbrauch und Unterschiede in der örtlichen Geländetopografie aus.

Privatwirtschaft profitiert von Investitionen

Vor allem der Mittelstand und der Anlagenbau profitieren von dem erheblichen Investitionsvolumen der Abwasserbranche von rund 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2013. Bezieht man Reparaturen und ähnliche Leistungen in die Betrachtung ein, fällt die Summe deutlich höher aus. Etwa 56 Prozent aller Leistungen für die Abwasserbeseitigung werden – gemessen an den Gesamtausgaben – von privatwirtschaftlichen Unternehmen erbracht. Die spezifischen Investitionen der Betriebe im Jahr 2013 liegen im Mittel bei knapp 57 Euro pro Einwohner und Jahr.

Hohe Fixkosten

Die Investitionen werden in Form von Zinsen und Abschreibungen wiederum zu Kosten der Betriebe. Diese Art der Kosten – ebenso wie zum Beispiel Personalkosten – fällt bei den Entsorgern unabhängig davon an, wie viel Abwasser eingeleitet und später gereinigt wird. Der mit 75 bis 85 Prozent sehr hohe Anteil fixer Kosten ist besonders charakteristisch für die Wasserwirtschaft. Daher wirkt sich das Wassersparen nur in vergleichsweise geringem Umfang auf die Kosten aus. Je mehr angeschlossene Nutzer Wasser sparen, umso geringer ist der Gebührenvorteil für den Einzelnen. bi