Sattar Mahmoodi auf der IFAT
„Wir wollen uns bei der Entwicklung unserer Wasser- und Abwasserinfrastruktur an deutschen technischen Standards orientieren.“ Sattar Mahmoodi, iranischer Vizeminister für Energie

Iran will in Infrastruktur für Wasser- und Abwasser investieren

MÜNCHEN, 22.07.2016 – Der Iran ist nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen ein Land im Aufbruch. Unterstrichen wurde dies auf der IFAT mit dem Besuch einer Delegation, angeführt vom iranischen Vizeminister für Energie, Sattar Mahmoodi. Mit ihm hatten wir Gelegenheit zu einem Interview.

bi UmweltBau: Der Iran hat eine lange Phase strikter internationaler Wirtschaftssanktionen hinter sich. Hat sich diese Situation auch auf die Wasser- und Abwasserinfrastruktur ausgewirkt?

Sattar Mahmoodi: Der Iran hat sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Auf der Suche nach neuen Wegen haben wir unseren Fachkräften bewusst erlaubt, auch zu irren und Fehler zu machen. Sie sollten Erfahrungen sammeln, lesen, studieren und experimentieren, um zu guten Lösungen zu kommen. Um Kosten zu reduzieren und die Qualität zu erhöhen, haben wir unsere Universitäten eingebunden. Wir bauen im Iran alles, von der Wasseraufbereitungsanlage bis zum Klärwerk. Defizite haben wir noch im Bereich der Steuerungstechnologie und Software.
Wir mussten die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung unserer Bevölkerung sicher stellen. Wir haben Lösungen entwickelt und gebaut und für die Menschen zur Anwendung gebracht. Das war vielleicht wirtschaftlich nicht vorteilhaft. Aus diesem Grund wollen wir mit der Welt verhandeln und die Welt verhandelt mit uns in dieser Phase nach den Sanktionen und dem Atomabkommen. Ich gebe zu, wir haben Methoden angewendet, die teuer waren. Ab jetzt versuchen wir, diese Methoden zu erneuern.

Wie würden Sie den Status quo und die Herausforderungen der Zukunft für die Wasser- und Abwasserinfrastruktur im Iran beschreiben?

Der Iran ist ein trockenes Land. Wir sind ein bevölkerungsreiches und wirtschaftlich aufstrebendes Land. Beides braucht Wasser. Der Wasserpreis ist niedrig. In diesem Rahmen müssen wir Lösungen finden. Wir haben Fünfjahrespläne entwickelt und durchgeführt. Ab dem Jahr 2017 beginnen wir mit dem 6. Fünfjahresplan.
Aktuell haben 99,07 Prozent der städtischen Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. 50 Prozent der iranischen Bevölkerung sind an Abwassernetze angeschlossen. 78 Prozent der Landbevölkerung haben Zugang zu Trinkwasser. Dieser Anteil soll im Laufe des 6. Fünfjahresplanes auf 95 Prozent gesteigert werden.
Im 6. Fünfjahresplan wollen wir die bereits geplanten Projekte im Bereich der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung umsetzen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist: Wir haben in unseren Trinkwassernetzen 25 Prozent Wasserverlust. Unser Ziel ist, diese Verlustrate auf 19 Prozent zu reduzieren. Das erfordert erhebliche Investitionen. Wir wollen uns bei der Entwicklung unserer Wasser- und Abwasserinfrastruktur an deutschen technischen Standards orientieren. Das klingt vielleicht etwas schwierig, wir haben aber im Iran Know-how und wir haben Fachkräfte. Was uns fehlt, sind derzeit noch entsprechende finanzielle Mittel.

Es gibt bereits aus der Vergangenheit auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Iran. Wo sehen Sie diesbezüglich für die Zukunft die Perspektive?



Ein Persisches Sprichwort sagt: Einen Partner auszusuchen ist schwieriger als eine Ehefrau oder einen Ehemann. Dazu braucht man viel Vertrauen. Seit 20 Jahren arbeiten wir mit deutschen Freunden in der Wasserwirtschaft zusammen. Wir haben in diesen 20 Jahren viel Vertrauen aufgebaut. Das ist ein großes Kapital. Wir haben diese Zusammenarbeit in diesen 20 Jahren nie abgebrochen. Iran und Deutschland haben viele Gemeinsamkeiten und gemeinsame Interessen. Wir haben jetzt nach dem Atomabkommen die Erfahrung gemacht, dass wir entschlossen sind, auf dieser Basis weiterzumachen. Dies hat sich auch hier in München auf der Messe bei meinen Gesprächen bestätigt.

Wie schätzen Sie die Chancen für deutsche Unternehmen ein, sich in Zukunft auf dem iranischen Markt zu engagieren?

Da hängt einiges von unseren deutschen Freunden ab. Iran ist ein sehr großer Markt und wir werden natürlich auch von anderen Ländern angefragt. Wegen der langen Zusammenarbeit liegt unsere Priorität bei Deutschland, aber auch in Ostasien gibt es ein Land, mit dem wir intensiv zusammenarbeiten.
Der Weg ist breit. Deutsche Firmen arbeiten pünktlich, transparent und mit hoher Qualität. Ich sehe die Zukunft positiv, nun hängt es an unseren deutschen Freunden, inwieweit sie auch positiv nach vorn schauen.

Wo sehen sie diesbezüglich deutsche Unternehmen besonders gefordert?

Ich würde von der deutschen Politik erwarten, dass sie deutsche Unternehmen ermuntert, sich im Iran zu engagieren. Die Unternehmen wollen natürlich Gewinne erwirtschaften, das ist legitim. Es geht jedoch darum, seitens der deutschen Politik die Rahmenbedingungen, wie Versicherungen und Bürgschaften, zu verbessern.

Im September findet in Teheran die Messe Watex statt, bei der Wasserwirtschaftliche Themen den Schwerpunkt bilden. Welche Bedeutung hat diese Messe im Iran?

Die Watex ist für den Iran eine sehr wichtige Messe. Wir haben mit unseren Freunden von German Water Partnership gesprochen und darum gebeten, dass mehr deutsche Firmen dort teilnehmen. Denn nicht alle iranischen Unternehmen können nach München zur IFAT kommen. In Teheran sind sie vertreten. Von politischer Seite können wir die Rahmenbedingungen für Geschäftsbeziehungen schaffen, umsetzen müssen es die Unternehmen. bi


Das ausführliche Interview lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe (4/16) der bi-UmweltBau.


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