Tunnelbau in Rom: Schwierige Sacklochbohrungen gemeistert

WALKENRIED, 27.12.2017 – Ein Projekt in Rom soll die Infrastruktur im Bereich der Piazzale Flaminio verbessern. Bisher verläuft die Eisenbahnstrecke Rom – Viterbo oberirdisch, zur Weiterreise mit der Metro sind Fußmärsche notwendig. Durch den Neubau eines Verbindungstunnels samt Bahnhof werden Eisenbahn und Metro unterirdisch miteinander verbunden. Bei der Erstellung einer Rohrschirmdecke kam eine neu entwickelte Technik von mts Perforator zum Einsatz.

Beginn der Bohrarbeiten
Beginn der Bohrarbeiten

Grundsätzlich wird der Tunnel bergmännisch ins aufsteigende Gebirge gebaut. Für den anfänglich etwa 52 m langen Streckenabschnitt musste jedoch eine andere Lösung gefunden werden, da unter einer auf dem Berg gelegenen, denkmalgeschützten Bibliothek hindurch gebohrt werden musste, deren Stützfundamente teilweise bis tief in die Bohrachse reichen.
Den Auftrag dazu erhielt im Sommer 2016 die renommierte Bohrfirma Pato Srl aus Occhiobello vom italienischen Ministerium für Infrastruktur und Transport. Gemeinsam mit dem Maschinenhersteller mts Perforator wurde eine Lösung erarbeitet, die die Erstellung einer Rohrschirmdecke vorsah, bestehend aus 36 Bohrungen mit jeweils 813 mm Durchmesser. Eingesetzt wurde eine Schneckenbohranlage PBA 205 für 12 m Rohrschüsse. Dabei mussten mittels sogenannter Sacklochbohrung ohne Zielbaugrube jeweils bis zu 52 m zielgenau gesteuert eingebracht werden. Die Herausforderung war es, einen rückziehbaren Kopf zu entwickeln, der in den unterschiedlichen Böden funktionstüchtig und steuerbar ist. Bei den Bohrungen verblieb lediglich der Lost Skin, der den Überschnitt der Bohrung garantiert, im Boden.

Rückziehbarer Bohrkopf
Rückziehbarer Bohrkopf

Neue Schneckenbohranlage mit moderner Steuerung

Der Boden bestand aus zementiertem, teilweise stark wasserhaltigem Sand und vereinzelt aus Travertin-Konkretionen. Auch in die Bohrachse reichende Stützfundamente der obenliegenden Biblioteca del Agricoltura waren zu berücksichtigen. Die Abstände zwischen den Bohrungen betrugen max. 7 cm. Dies bedeutete eine große Herausforderung für Steuerkopf und Steuersystem. mts Perforator entschied sich für das neue Modell PBA 205 mit 205 to Presskraft und einem Drehmoment von 3.600 daNm, das einen mittigen Hohldurchgang im Getriebe für gesteuerte Pilotbohrungen hat und mit einer weiteren optischen Gasse außermittig versehen wurde, um die sehr präzise Lasersteuerung der mts-Microtunnelling-Systeme nutzen zu können.
Die Steuerung und alle Funktionen der Schneckenbohranlage werden direkt über einen Vortriebscontainer bedient – auch dies ist ein Novum. Der manuelle Ventilblock mit Hebelbedienung an der Pressbohranlage wich modernster SPS-Steuerung, was die Vermessung und die Bohrarbeiten direkt aus dem Container ermöglichte.

Erfolgreicher Abschluss

Diese innovative Technik funktionierte bereits beim erstmaligen Einsatz sehr gut. Die ersten beiden Bohrungen wurden innerhalb von sechs bzw. sieben Arbeitstagen durchgeführt. Nach kleinen technischen Modifikationen und wachsender Erfahrung der Bohrmannschaft mit der Funktionsweise und der Ausrüstung belief sich die Vortriebsgeschwindigkeit auf ca. 11 - 13 m/Tag. Für eine Bohrung benötigte das Team dann lediglich vier Tage inkl. Rückzug der Inliner und des Bohrkopfes sowie notwendiger Schweißarbeiten.
Zu dem Erfolg trug zudem die laufende Instandhaltung der Technik, die gute Organisation der Baustelle und das hoch motivierte Personal bei. Die vorgegebene Bohrachse wurde mit Abweichungen von max. ± 25 mm vertikal und ± 25 mm horizontal perfekt eingehalten.
Bei diesem anspruchsvollen Projekt konnte die mts Perforator eine kreative Lösung bieten, die auch in teilweise recht schwierigen Bodenverhältnissen sehr erfolgreich arbeitete. Die enge Zusammenarbeit mit der Firma Pato Srl hat zum gewünschten Ergebnis dieses Projektes beigetragen.

Fertiggestellter Rohrschirm
Fertiggestellter Rohrschirm | Fotos: mts Perforator