Schlauchlining: 20 Jahre Brandenburger und Swietelsky-Faber

LANDAU/SCHLIERSCHIED, 14.12.2017 – Wie gut ist ein Schlauchlining-System im Einbau? Welche Anforderungen gibt es bei Neuentwicklungen? Wo sind technische Grenzen? Wenn Lieferant und Kunde zu solchen Fragen einen kurzen Draht pflegen, profitieren alle – auch die Auftraggeber. Wenn sich darüber hinaus eine Partnerschaft von mehr als 20 Jahren mit zahlreichen Projekten ergibt, dann ist dies einen Rückblick wert.

Michael Schloder, Philipp Bergmann, Jörg Brunecker
Blicken auf eine erfolgreiche Kooperation von mehr als 20 Jahren (v.l.): Michael Schloder (Geschäftsführer Brandenburger Liner GmbH & Co. KG), Philipp Bergmann (Vertrieb Brandenburger Liner GmbH & Co. KG), Jörg Brunecker (Geschäftsführer Swietelsky-Faber GmbH Kanalsanierung)

Als sich vor über 20 Jahren das Schlauchlining in Deutschland zu etablieren begann, war die Brandenburger Liner GmbH & Co. KG ganz vorn dabei. Das Spezialunternehmen für technische Kunststoffe brachte in den 1990er Jahren den ersten gewickelten GFK-Liner zur Serienreife. „Allerdings gab es auf der Einbauseite keinerlei Erfahrungswerte. Deshalb hatten wir uns auf die Suche nach einem Tiefbauunternehmen gemacht, das ebenso vom Erfolg der Sanierungsmethode überzeugt war“, erklärt Brandenburger-Geschäftsführer Michael Schloder. Mit der Faber Umwelttechnik wurde man damals fündig; denn auch das Vorgängerunternehmen der Swietelsky-Faber GmbH hatte sich früh auf die Installation innovativer Schlauchlining-Technologien spezialisiert. „Dass sich daraus eine so lange Partnerschaft entwickelt – daran hat sicherlich niemand gedacht“, bemerkt Schloder, der seit 2009 im Hause Brandenburger tätig ist.

Was wurde aus dem ersten Liner?

Die erste gemeinsame Baustelle richteten Brandenburger und Faber im Jahr 1995 ein. „Zu dieser Zeit befand sich das GFK-Schlauchlining quasi noch in den Kinderschuhen. Heute sind im Schlauchlining angestrebte Standzeiten von 50 Jahren üblich – diese Erwartungen gab es vor 20 Jahren noch nicht“, berichtet Jörg Brunecker, seit 2015 Geschäftsführer von Swietelsky-Faber. Das gemeinsame Erstlingswerk sei aber selbst nach heutigen Qualitätsmaßstäben in einem Top-Zustand: „Wir haben uns den Liner neulich angesehen: Er ist nach wie vor in Betrieb und liegt völlig intakt in der Haltung.“

die erste gemeinsame Baustelle in Kettenheim
Schlauchlining-Pionierarbeit vor mehr als 20 Jahren: die erste gemeinsame Baustelle in Kettenheim

Kettenheim-Baustelle Vorbild für Japan

Der Erfolg der ersten gemeinsamen Projekte sprach sich herum. Das Interesse an GFK-Linern wuchs – sowohl im Inland als auch im Ausland. Um Interessenten eine klare Vorstellung von der Technologie und der Ausführung zu geben, errichteten die beiden Firmen in Kettenheim, in der Nähe vom Swietelsky-Faber-Standort Alzey, eine Vorführbaustelle. „Zu den ersten Gästen gehörte auch eine Delegation aus Japan, die offensichtlich sehr beeindruckt war“, erzählt Schloder. Die Begeisterung führte zu einer handfesten Kooperation: Die japanischen Besucher wurden Lizenzpartner für Brandenburger und produzieren bis zum heutigen Tag auf einer Anlage des Unternehmens Liner nach dem patentierten Wickelverfahren.

Pionierarbeit trägt Früchte

Die Bilanz kann sich sehen lassen: In den mehr als 20 Jahren gemeinsamer Arbeit haben beide Unternehmen ein kräftiges Wachstum verzeichnet. „Natürlich sind wir als ausführendes Unternehmen auch mit der Installation anderer Linersysteme am deutschen und internationalen Markt vertreten“, erklärt Brunecker. „Aber die enge Zusammenarbeit mit Brandenburger ist schon allein durch die vielen Jahre gemeinsamer Projekte etwas Besonderes.“ Michael Schloder pflichtet ihm bei: „Beide Unternehmen haben durch diese langjährige Form der Vernetzung eine Vorreiterrolle eingenommen. Sicherlich war die Zusammenarbeit auch deshalb so außergewöhnlich, weil wir gemeinsam manche Projekte angegangen sind, an die sich zu den jeweiligen Zeiten niemand anderes herangetraut hatte.“ Auch im Jahr 2017 haben Swietelsky-Faber und Brandenburger bis zum heutigen Tag bereits mehr als 300 gemeinsame Baustellen erfolgreich abgewickelt.

Sanierung mit 90-Grad-Bögen

Beispiel Augsburg: Mehr als ein Kilometer schadhafte Rohrleitungen, Durchmesser DN 1000 und ausgeprägte Bögen von 45 bis 90 Grad sind typische Herausforderungen, die das Duo Brandenburger/Swietelsky-Faber mit hohem Qualitätsanspruch bewältigt. „Bei Projekten wie diesem geht es immer wieder auch darum, die Grenzen auszuloten und mögliche Skeptiker vom Schlauchlining als innovative Technologie zu überzeugen“, betont Brunecker. In Augsburg meisterten Brandenburger und Swietelsky-Faber erfolgreich Einbau und Aushärtung des Liners in insgesamt 19 Sanierungsabschnitten – inklusive der Anbindung von 150 Stutzen und der Auskleidung von 28 Schächten. Einen der entscheidenden Vorteile der grabenlosen Sanierung demonstrierten die beiden Firmen auch im Hinblick auf die benötigte Bauzeit: Für das Projekt unter dem stark besiedelten Wohngebiet Pfersee brauchte das Team insgesamt 30 Arbeitstage – freilich weitgehend ohne Beeinträchtigung des oberirdischen Verkehrs.

„Zunge“ für die Produktion von Großprofilen
Die komplett neu entwickelte „Zunge“ für die Produktion von Großprofilen

Erfolgreicher Know-how-Austausch

Der gute Kontakt zwischen Hersteller und Einbauer führte im Laufe der Jahre nicht nur zu einer zunehmenden Zahl gemeinsamer Projekte im wachsenden Schlauchliner-Markt. Brandenburger und Swietelsky-Faber pflegten in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen stetigen Austausch des Know-hows, um neue Herausforderungen sowohl aus Produzentensicht als auch aus Sicht des ausführenden Unternehmens anzugehen und Prozesse anzupassen.

Wichtiger Input von Praxiserfahrungen

Aktuell ist die Praxiserfahrung von Swietelsky-Faber im Hause Brandenburger wieder sehr gefragt, nämlich beim Thema der Weiterentwicklung des Zungenkonzepts für die Herstellung von Großprofilen. „Zunge“ nennt man im Sprachgebrauch den Wickeldorn, der eine der Hauptkomponenten von Linerwickelanlagen darstellt. „Selbst nach unzähligen Versuchen auf dem Hof und auch nach einem Feldtest ist es bei Neuentwicklungen immer noch ein wesentlicher Vorteil für den Hersteller, wenn sein neues Produkt von erfahrenen Einbaukolonnen verbaut wird“, weiß Schloder die enge Verbindung zum ausführenden Unternehmen zu schätzen. „Der Informationsfluss hinsichtlich des Handlings und des Einbaus ist schon allein aus Qualitätsgründen für uns zwingend notwendig.“
So kam es, dass nun auch im Jahr 2017 ein Liner mit der neuen Technologie gefertigt und in Kettenheim eingebaut wurde – genauso wie auch schon vor mehr als 20 Jahren. Und wie es der Zufall wollte: Just in dieser Zeit war erneut eine asiatische Delegation in Deutschland, um sich über die grabenlose Kanalsanierung mit GFK-Systemen zu informieren. Dass dies auf einer gemeinsamen Baustelle der UV-Pioniere Swietelsky-Faber und Brandenburger stattfand, lag natürlich nahe.

Diesen Bericht lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (6/17) der B_I umweltbau.